Ein Geschäftsführer hat mir neulich gesagt: „Über ChatGPT und Co. kommen bei uns kaum Besucher an. Lohnt sich der ganze Aufwand also gar nicht.“
Auf den ersten Blick klingt das logisch. Schaut man auf die nackte Besucherzahl, kommt von Google immer noch deutlich mehr als von KI-Tools. Trotzdem halte ich die Schlussfolgerung für falsch. Und zwar genau andersherum:
Warum KI-Suche so wenig Besucher schickt
Früher war Google vor allem eine Liste von Links. Wer etwas wissen wollte, hat selbst durch die Ergebnisse geklickt – auch bei einfachen Fragen, die eigentlich gar keinen Betrieb brauchten.
Heute übernimmt die KI einen Teil dieser Arbeit. Eine einfache Frage wird direkt in der Antwort beantwortet, ohne dass irgendjemand auf eine Website klickt. Nur bei Fragen, bei denen wirklich ein konkretes Geschäft gebraucht wird, schickt die KI noch einen Link mit.
Das heißt: Die KI filtert vor. Wer durchkommt, hat es nicht zufällig geschafft.
Wenig Besucher heißt nicht wenig Wert
Genau hier liegt der Denkfehler des Geschäftsführers. Er hat nur auf die Spalte „Besucher“ geschaut. Die wichtigere Spalte ist: Was wird aus diesen Besuchern?
Ein Branchenkollege aus dem B2B-Bereich hat das kürzlich so beschrieben: Besucher, die über eine KI-Antwort kommen, sind seltener, aber im Schnitt kaufbereiter als Besucher aus der normalen Google-Suche. Logisch, wenn man bedenkt, dass die KI vorher schon die unentschlossenen Anfragen selbst beantwortet hat.
Ein Vergleich aus dem echten Leben: Eine Empfehlung vom Steuerberater bringt auch nur einen einzigen Anruf – nicht fünfzig Webseiten-Besucher wie eine Anzeige. Trotzdem ist dieser eine Anruf meistens der wertvollere Kontakt. Bei KI-Traffic ist es ähnlich: weniger, aber besser vorsortiert.
Wer hier aufgibt, verschenkt die Besucher, die kurz vor der Entscheidung stehen
Wer sich aus der KI-Sichtbarkeit zurückzieht, weil die Besucherzahl klein aussieht, verliert genau die Anfragen, die kurz vor einer Entscheidung stehen. Gleichzeitig kämpft man bei Google weiter um die vielen unentschlossenen Klicks, die seltener zu einer Anfrage werden.
Das ist eine Wette auf das schwächere Pferd.
Die eigentliche Schwachstelle ist oft nicht die Sichtbarkeit
Was mir bei vielen Betrieben auffällt: Die Sichtbarkeit ist gar nicht das größte Problem. Das größere Problem ist, was mit einem Besucher passiert, sobald er auf der Website landet.
Ein Kontaktformular aus dem Jahr 2017, drei Pflichtfelder zu viel, keine Telefonnummer in Sichtweite, keine Reaktion am Wochenende – damit verschenkt man genau die Besucher, auf die es ankommt. Egal ob sie von Google oder von einer KI-Antwort kommen.
Sichtbarkeit allein bringt keinen Kunden. Erst wenn jemand auf der Seite ist und unkompliziert eine Nachricht schicken oder anrufen kann, wird aus einem Besuch eine Anfrage.
Was das für dein Profil bedeutet
Ein gepflegtes Google-Profil ist nach wie vor die Grundlage – auch dafür, von einer KI überhaupt als Antwort vorgeschlagen zu werden. Die KI-Antworten greifen auf dieselben Informationen zurück, die auch bei der normalen Google-Suche zählen: Name, Adresse, Telefonnummer, aktuelle Öffnungszeiten, echte Bewertungen.
Wer dort sauber aufgestellt ist, hat gute Chancen, auch bei den wenigen, aber wertvollen KI-Anfragen mit dabei zu sein.
Wenn du nicht weißt, ob dein Profil und deine Website überhaupt bereit sind, Besucher in Kunden zu verwandeln: Ich schaue mir beides gemeinsam an – kostenlos, vor Ort, in zehn Minuten siehst du, woran es hakt. [Kontakt aufnehmen]
Quellen:
- Gaetano DiNardi: „10 things I’ve learned about AI SEO / GEO / AEO“, X-Post, 29. Juni 2026 — https://x.com/gaetano_nyc/status/2071611241362006481
- Gaetano DiNardi: „GEO Vendors Aren’t Building Brand Mentions. They’re Buying Them.“, Marketing Advice (Substack), 29. Juni 2026 — https://marketingadvice.substack.com/p/geo-vendors-arent-building-brand

