Du hast eine Webseite, die ordentlich aussieht. Ein Webdesigner aus der Region hat sie vor zwei Jahren gebaut, du bist eigentlich zufrieden. Trotzdem taucht dein Betrieb bei Google nicht auf, wenn jemand nach deiner Leistung sucht. Du fragst beim Webdesigner nach, der sagt: „Ist alles SEO-optimiert, das passt.“ Drei Wochen später hat sich nichts geändert.
Das ist ein typischer Punkt, an dem Inhaber bei mir landen. Ich kann dir an dieser Stelle ehrlich sagen: Webseiten-Inhalte sind nicht mein Geschäft. Ich kümmere mich um Google-Profile, Bewertungen und Branchenverzeichnisse. Was auf deiner Webseite passiert, gehört zu deinem Webdesigner – oder zu dir selbst. Aber ich kann dir sagen, was zu prüfen ist. Und ich kann dir einen Weg zeigen, wie du das auch ohne SEO-Wissen herausfindest.
Warum dieser Teil nicht in Outsourcing geht
Bei den anderen Bausteinen lokaler Sichtbarkeit – Profil, Bewertungen, Verzeichnisse – kannst du jemanden beauftragen, der das für dich macht. Bei den Inhalten deiner Webseite ist das anders. Hier geht es um sehr genaue Details: Welche Wörter stehen in welchen Überschriften, wie sind Bilder benannt, welcher Text steht in den unsichtbaren Bereichen der Seite. Diese Punkte muss jemand pflegen, der dich, deinen Betrieb und deine Sprache kennt – oder der zumindest engen Kontakt zu dir hält.
Aus meiner Beobachtung in vielen lokalen Betrieben kommt das in drei Konstellationen vor:
- Du hast einen Webdesigner, der die Seite betreut und die Inhalte mit dir abstimmt. Dann ist er der richtige Ansprechpartner für die Punkte unten.
- Du hast einen Webdesigner, der die Seite einmal gebaut und dann nichts mehr gemacht hat. Dann brauchst du entweder einen neuen oder du machst die Pflege selbst.
- Du hast keinen Webdesigner mehr und pflegst die Seite selbst. Dann brauchst du diese Liste sowieso.
In allen drei Fällen lohnt es sich, die Punkte zu kennen, damit du dem Webdesigner die richtigen Fragen stellen kannst.
Das Grundprinzip: Pro Seite ein Hauptbegriff plus Ort
Bevor du in Details gehst, eine grundlegende Sache: Jede Seite deiner Webseite hat einen Hauptbegriff, unter dem sie gefunden werden soll. In der SEO-Sprache heißt das Focus-Keyword. Bei lokalen Betrieben gehört der Ort fast immer dazu.
Beispiel Friseur in Plön: Die Startseite zielt auf „Friseur Plön“. Die Leistungsseite zum Färben auf „Haare färben Plön“. Die Seite zu Hochzeitsfrisuren auf „Brautfrisur Plön“. Drei Seiten, drei Hauptbegriffe. Nicht eine Webseite mit einem einzigen Begriff für alles.
Wenn dein Webdesigner auf die Frage „Was ist das Focus-Keyword der Seite XY?“ keine Antwort hat – das ist das erste Warnsignal. Ohne klares Focus-Keyword pro Seite ist alles andere Zufall.
Was du auf deiner Webseite prüfen solltest
Hier sind die 12 Punkte, die zusammen das ergeben, was Profis OnPage-SEO nennen – also Optimierung, die direkt auf den Seiten passiert. Ich gehe sie nacheinander durch.
1. Adresse und Telefon im Sichtbaren. Auf jeder Seite deiner Webseite sollten Name, Adresse und Telefonnummer sichtbar sein – ohne dass jemand klicken muss. Üblicher Platz ist der Footer, der untere Bereich, der auf jeder Unterseite gleich aussieht.
2. Telefonnummer ist anklickbar. Auf dem Smartphone öffnet sich der Anruf-Dialog beim Antippen. Wenn nichts passiert: Webdesigner anschreiben, Stichwort „tel-Link einrichten“.
3. Identische Schreibweise überall. Adresse, Telefonnummer und Firmenname müssen auf der Webseite, im Google-Profil, im Impressum und in jedem Branchenverzeichnis exakt gleich aussehen. Inkonsistente Daten verwirren Google – und das Ranking leidet.
4. Title und Beschreibung pro Seite. In den Google-Suchergebnissen siehst du eine blaue Überschrift (Title) und einen grauen Beschreibungstext (Meta-Description). Beide werden nicht auf der Webseite angezeigt, sondern nur bei Google. Title etwa 65 Zeichen, Beschreibung etwa 120. Beide enthalten den Hauptbegriff plus Ort. Jede einzelne Unterseite hat eigene Texte – nicht zehnmal dasselbe.
5. Hauptüberschrift einmal pro Seite. Eine Webseite hat eine Hauptüberschrift, die anderen sind Unterüberschriften. Die Hauptüberschrift heißt in der Fachsprache H1, kommt nur einmal vor und enthält den Hauptbegriff plus Ort.
6. Unterüberschriften strukturieren den Text. Wenn dein Text Abschnitte hat, sollten diese durch Zwischenüberschriften (H2) abgesetzt sein. Idealerweise als Frage formuliert – „Was kostet ein Haarschnitt in Plön?“ ist stark, „Unsere Leistungen“ ist schwach. Menschen tippen Fragen bei Google ein. Wenn deine Überschrift fast wörtlich der Suchanfrage entspricht, hilft das.
7. Bildgrößen unter Kontrolle. Direkt mit dem Smartphone aufgenommene Fotos sind oft 4 oder 5 Megabyte groß. Das ist viel zu viel. Auf der Webseite sollte kein Bild über 100 Kilobyte sein – das ist 50-mal weniger. Anders ist die Webseite langsam, und Google straft langsame Webseiten ab. Werkzeuge zum Komprimieren ohne Qualitätsverlust gibt es kostenlos im Netz, etwa tinypng.com.
8. Bild-Dateinamen mit Inhalt. Nicht „IMG_20240517.JPG“, sondern „friseur-ploen-haarschnitt.jpg“. Klein geschrieben, mit Bindestrichen, mit Hauptbegriff und Ort. Wenn die Bilder schon hochgeladen sind, ist das Umbenennen umständlich – aber für neue Bilder konsequent so machen.
9. Bildbeschreibungen für Blinde und Google. Jedes Bild bekommt im Hintergrund einen kurzen Beschreibungstext, das sogenannte Alt-Attribut. Es wird angezeigt, wenn das Bild nicht laden kann, und es wird Sehbehinderten vorgelesen. Google liest es ebenfalls. Pro Bild ein Satz, der beschreibt, was zu sehen ist – mit Hauptbegriff und Ort, aber natürlich formuliert.
10. Sprechende Webadressen. Die Adresse einer Unterseite (das, was im Browser oben steht) sollte verständlich sein. „/friseur-ploen/“ ist gut, „/seite-id-237.html“ ist schlecht.
11. Webseite ist mobil benutzbar. Über 70 Prozent der lokalen Suchanfragen kommen vom Smartphone. Test: Eigene Webseite mit dem Handy aufrufen, drei Sekunden warten, versuchen anzurufen, Adresse zu sehen, Kontaktformular zu nutzen. Wenn an einer Stelle was hakt – das ist deine erste Baustelle.
12. Interne Verlinkung. Innerhalb der Webseite verlinken die Seiten aufeinander. Auf der Startseite ein Hinweis zur Leistungsseite, auf der Leistungsseite ein Verweis zum Kontaktformular. Im Fließtext, mit sprechenden Linktexten – nicht „hier klicken“.
Audits durch externe Dienstleister – meistens Overkill
Es gibt SEO-Agenturen, die für mittlere vierstellige Beträge ein Webseiten-Audit machen. Sie prüfen 150 bis 250 Punkte, liefern ein PDF mit grünen, gelben und roten Ampeln, und am Ende steht ein Maßnahmenplan, der zwölf Wochen Arbeit umfasst. Für einen großen Online-Shop oder ein überregionales Unternehmen kann das sinnvoll sein. Für einen Friseur in Plön mit fünf Mitarbeitern und einer einfachen WordPress-Webseite ist es Overkill. Du bezahlst dafür, dass jemand dir Probleme aufzeigt, die in deiner Größenordnung gar nicht relevant sind.
Auch die kostenlosen Tools wie Sistrix Smart, Seobility oder Semrush bieten Audits an. Die produzieren ähnliche Berichte, nur eben gratis. Das Problem ist dasselbe: 200 Punkte zu prüfen. Wer da reinschaut, ist nach zehn Minuten überfordert und macht am Ende gar nichts. Genau das ist der schlechtest mögliche Ausgang.
Eine pragmatische Alternative: Lass eine KI das Audit machen
Was tatsächlich gut funktioniert, gerade für kleine Betriebe: Du gibst die Adresse deiner Webseite an eine KI wie Claude oder ChatGPT und bittest um eine Einschätzung der zwölf Punkte aus diesem Beitrag. Die KI kann sich die Seite ansehen, die Punkte einzeln durchgehen und dir in verständlicher Sprache sagen, was passt und was nicht. Kostet dich nichts (oder wenig, wenn du eine Bezahlversion nutzt), und du bekommst Antworten in einer Sprache, die du verstehst.
Hier ein einsatzbereiter Prompt, den du kopieren und einfügen kannst:
Ich bin Inhaber eines lokalen Betriebs in Schleswig-Holstein. Meine Webseite ist [hier die Adresse einfügen]. Mein Hauptbegriff für die Startseite ist [hier eintragen, z. B. „Friseur Plön“]. Bitte prüfe meine Webseite anhand der folgenden 12 Punkte und gib mir pro Punkt eine kurze Einschätzung in einfachem Deutsch: 1) Stehen Adresse und Telefonnummer im sichtbaren Bereich? 2) Ist die Telefonnummer anklickbar? 3) Sind Adresse und Telefon überall identisch geschrieben? 4) Sind Title und Meta-Description gepflegt und enthalten Hauptbegriff plus Ort? 5) Gibt es eine eindeutige Hauptüberschrift (H1) mit Hauptbegriff plus Ort? 6) Strukturieren H2-Überschriften den Text und enthalten W-Fragen? 7) Sind die Bildgrößen unter 100 Kilobyte? 8) Haben die Bild-Dateinamen sprechende Namen? 9) Gibt es Alt-Texte für die Bilder? 10) Sind die Webadressen der Unterseiten sprechend? 11) Funktioniert die Webseite mobil ordentlich? 12) Verlinken die Seiten intern aufeinander? Bitte sage mir bei jedem Punkt: „passt“, „verbesserungswürdig“ oder „fehlt“, und gib einen kurzen Verbesserungsvorschlag. Am Ende fass die drei wichtigsten Baustellen zusammen.
Was du damit bekommst, ist kein Profi-Audit. Es ist eine ehrliche Standortbestimmung, mit der du zu deinem Webdesigner gehen oder selbst nachbessern kannst. Für die meisten kleinen Betriebe reicht das vollkommen aus.
Was du mit dem Ergebnis machst
Wenn die KI dir sagt, an drei oder vier Stellen ist Verbesserungsbedarf, hast du zwei Wege. Entweder du arbeitest die Punkte selbst ab, sofern du Zugang zu deiner Webseite hast und dich da hineintraust. Oder du nimmst die Liste mit zu deinem Webdesigner und sagst: „Diese Punkte hätte ich gerne überprüft und gegebenenfalls angepasst.“ Das ist eine konkrete Beauftragung, kein vages „mach mal SEO“. Webdesigner reagieren auf konkrete Listen viel besser als auf abstrakte Wünsche – und du kannst hinterher prüfen, ob die Punkte abgearbeitet sind.
Ein Hinweis aus der Praxis: Wenn dein Webdesigner auf die Liste reagiert mit „das ist alles längst optimiert“, aber du keine konkrete Antwort zu jedem einzelnen Punkt bekommst, ist das ein Warnsignal. „Optimiert“ ist kein Argument, sondern eine Behauptung. Konkret prüfbar ist, ob die Telefonnummer anklickbar ist und ob die Hauptüberschrift den Ort enthält. Wenn diese Antworten nicht kommen, ist die Webseite nicht so gepflegt, wie behauptet.
Wie viel Zeit das Ganze kostet
Die KI-Prüfung selbst dauert fünf Minuten – einmal Prompt einfügen, einmal lesen.
Die Punkte selbst nachzubessern dauert je nach Befund unterschiedlich lang. Telefonnummer anklickbar zu machen oder die Beschreibungstexte zu pflegen ist Sache von ein bis zwei Stunden mit Yoast-Plugin und etwas WordPress-Routine. Bilder neu komprimieren und mit ordentlichen Dateinamen wieder hochzuladen ist die zeitfressendste Aufgabe – pro Webseite mit 30 Bildern muss man etwa einen halben Tag rechnen.
Wer das nicht selbst machen will und auch keinen Webdesigner zur Hand hat, kann nach jemandem suchen, der WordPress-Pflege als Stundenleistung anbietet. In Schleswig-Holstein gibt es einige Freelancer, die das im Stundensatz von 60 bis 90 Euro erledigen. Das ist deutlich günstiger als ein klassisches SEO-Audit – und am Ende sind die Punkte tatsächlich abgehakt, nicht nur dokumentiert.
Wo ich helfe und wo nicht
Bei den Punkten aus diesem Beitrag bin ich raus. Ich pflege keine Webseiten-Inhalte und keine Bildbeschreibungen. Was ich tue: Ich kümmere mich um dein Google-Profil, deine Bewertungen und deine Branchenverzeichnis-Einträge. Diese drei Bausteine wirken zusammen mit deiner Webseite – aber sie sind eigene Baustellen mit eigenen Werkzeugen.
Wenn du wissen willst, wie dein Google-Profil heute dasteht, schaue ich es mir kostenlos an und sage dir in zehn Minuten, was fehlt. Für deine Webseite empfehle ich dir den KI-Prompt oben oder ein Gespräch mit deinem Webdesigner. Ansonsten gerne Kontakt aufnehmen
Über Thorsten Lutz
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er kümmert sich um Google-Unternehmensprofile, Bewertungsmanagement und Branchenverzeichnis-Einträge für kleine und mittelständische Betriebe zwischen Kiel und Lübeck. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er die Realität in lokalen Betrieben von innen – und weiß, welche Hebel sich wirklich lohnen, bevor an anderen Stellschrauben gedreht wird.

