Du hast vielleicht schon mal von Matomo oder Google Analytics gehört. Das sind Werkzeuge, die zählen, wer auf deine Webseite kommt, wo er herklickt, was er anschaut. Wenn du Glück hast, hat dein Webdesigner so etwas eingebaut. Wenn du Pech hast, war es Google Analytics in einer Version, die DSGVO-rechtlich seit Jahren nicht mehr sauber ist — aber das ist ein anderes Thema.
Häufige Annahme: „Ich habe ein Statistik-Tool, dann habe ich Zahlen.“ Stimmt. Nur eben nicht alle, die du brauchst.
Was ein Webseiten-Statistik-Tool sieht
Ein Werkzeug wie Matomo sieht alles, was auf deiner Webseite passiert:
- Wie viele Besucher kamen
- Über welche Suchmaschine oder Plattform sie kamen
- Welche Seite zuerst aufgerufen wurde
- Wie lange jemand blieb
- Ob er auf deine Telefonnummer geklickt, ein Formular abgeschickt oder den WhatsApp-Button gedrückt hat
Das ist eine Menge. Das deckt einen großen Teil der Verhaltensebene ab, von der ich im letzten Beitrag dieser Serie geschrieben habe.
Was ein Webseiten-Statistik-Tool nicht sieht
Hier wird es spannend. Wenn du ein lokaler Dienstleister bist — Friseur, Werkstatt, Gastro, Praxis —, dann finden viele Menschen dich gar nicht über deine Webseite. Sie finden dich über dein Google-Profil direkt im Suchergebnis.
Stell dir den typischen Suchvorgang vor: Jemand tippt „Friseur Eutin“ ein. Was er sieht, ist ein Kästchen mit drei Salons, Sterne-Bewertungen, Telefonnummer, „Anrufen“-Button. Klickt der Mensch auf „Anrufen“ oder „Wegbeschreibung“, war er nie auf deiner Webseite. Dein Statistik-Tool weiß von dieser Person nichts.
Und genau das ist bei lokalen Betrieben die Mehrheit der Interaktionen. Bei den meisten meiner Kunden ist das Verhältnis zwischen „Profil angeklickt“ und „Webseite besucht“ ungefähr 5 zu 1. Manchmal 10 zu 1.
Wer also nur Matomo anschaut, sieht ein Fünftel des Bildes. Vielleicht ein Zehntel.
Die vier Datenquellen, die zusammen ein ehrliches Bild ergeben
Damit du ein vollständiges Bild bekommst, müssen vier Werkzeuge zusammenspielen. Ich beschreibe sie kurz, damit du nachvollziehen kannst, was dein Berater (oder ich) eigentlich macht:
1. Webseiten-Statistik (Matomo). Misst, was auf deiner eigenen Webseite passiert. Telefonklicks, Formulare, Verweildauer.
2. Google Search Console. Ein kostenloses Werkzeug von Google, das zeigt, mit welchen Suchanfragen Menschen tatsächlich auf deine Webseite geklickt haben. Es zeigt dir die Wörter, die deine Kunden bei Google getippt haben — bevor sie zu dir kamen. Wertvolle Information für die richtigen Texte auf deinen Seiten.
3. Google-Profil-Statistiken. In deinem Google-Profil gibt es im Backend einen Bereich „Statistiken“. Dort siehst du Profilaufrufe, Suchbegriffe, Anrufe direkt aus dem Profil, Wegbeschreibungs-Klicks. Diese Zahlen sind nirgendwo sonst verfügbar.
4. Der Mund-Zettel (siehe Beitrag 2). Die einzige Quelle, die dir tatsächlich sagt, ob dein Online-Auftritt zu Umsatz führt — weil der Kunde im Laden steht und du ihn fragst.
Wer eines dieser vier Werkzeuge weglässt, verliert ein Viertel des Bildes. Wer drei davon weglässt und nur Matomo betrachtet, hat ein optisch sauberes Bild von einer kleinen Ecke seines Betriebs.
Der Trick, der die Quellen verbindet
Es gibt eine kleine Technik, die in fünf Minuten eingerichtet ist und einen großen Unterschied macht: UTM-Parameter an deiner Webseiten-Adresse im Google-Profil.
Was bedeutet das in einfacher Sprache: Du trägst in deinem Google-Profil unter „Webseite“ nicht einfach https://deinsalon.de ein, sondern eine etwas längere Adresse mit angehängten Markern. Diese Marker tun nichts Sichtbares — der Besucher merkt davon nichts. Aber dein Matomo-Tool erkennt: „Aha, dieser Besucher kam von Google-Profil.“ So lassen sich die beiden Werkzeuge endlich zusammenbringen.
Das Gleiche kann man für jeden Branchenverzeichnis-Eintrag machen. Yelp bekommt einen anderen Marker, Gelbe Seiten einen dritten. Damit weißt du am Quartalsende: 312 Besuche kamen über Google-Profil, davon 47 mit Telefonklick. 28 kamen über Yelp, davon zwei. Das ist eine Aussage, mit der du Entscheidungen treffen kannst — etwa, ob sich der Yelp-Eintrag überhaupt lohnt.
Eine ehrliche Einschränkung
Diese vier Quellen zusammen geben dir ein gutes Bild — aber kein perfektes. Es gibt weiterhin Lücken:
- Wer im Google-Profil-Kästchen die Anrufnummer abfotografiert und später vom Festnetz aus anruft, taucht in keinem Tool auf
- Wer von einem Freund die Adresse weitergeleitet bekommt, taucht als „direkter Besuch“ auf — ohne Quellen-Information
- Wer dich googelt, deinen Namen merkt und dann am nächsten Tag mit dem Schaufenster-Eindruck reinkommt, ist online unsichtbar — und am Tresen sehr real
Diese Lücken zu schließen braucht entweder teure Werkzeuge (Telefonnummer-Tracking) oder den Mund-Zettel. Oft reicht der Mund-Zettel.
Zeitaufwand
Das Setup der vier Werkzeuge plus die UTM-Verknüpfungen kostet einmalig rund eine Stunde. Danach läuft es. Den monatlichen Bericht zusammenstellen — bei mir, nicht bei dir — sind 15 Minuten.
Du selbst tust dafür nichts, außer die Zugänge zu Google-Profil und Search Console freizugeben. Falls du keinen davon hast, lege ich sie an.
Wenn du gerade nur ein einziges Statistik-Tool hast und das Gefühl, dass dein Bild schief ist — du hast vermutlich recht. In einem Vor-Ort-Termin schaue ich mir an, welche Quellen bei dir vorhanden sind und welche fehlen. Wenn die Lücken groß sind, schließen wir sie. Einmalige Einrichtung, danach läuft es.
Bei Stufe-3-Kunden ist die monatliche Auswertung aus allen vier Quellen Bestandteil der Betreuung — auf einer Seite, mit den Zahlen, die etwas bedeuten. Kontakt aufnehmen
Die ersten beiden Beiträge dieser Serie:
- Platz 1 bei Google bringt keinen Umsatz — was wirklich zählt
- Sichtbarkeit, Traffic, Verhalten, Umsatz — die ehrliche Messhierarchie
Über den Autor
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet die Mess-Werkzeuge für seine Kunden so ein, dass am Monatsende eine Seite reicht, um zu verstehen, ob es läuft. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung weiß er, dass Inhaber keine Daten-Dashboards wollen, sondern Antworten — und dass diese Antworten aus mehreren Quellen zusammenkommen müssen, nicht aus einer.

