Dein Webdesigner hat dir vor drei Jahren erklärt, dass deine Website Keywords im Domainnamen, im Meta-Tag und am besten zwölfmal im Text braucht. Du machst das auch — aber bei Google bewegt sich nichts.
Falls dir dein Bauchgefühl sagt, dass an deiner Website was nicht stimmt: Wahrscheinlich liegt es weniger an dem, was fehlt, als an dem, was zu viel ist. Ich sehe bei Vor-Ort-Terminen mit Betrieben in Ostholstein und im Kreis Plön immer wieder dieselben Reste alter SEO-Ratschläge — sauber gepflegt, jahrelang weitergegeben, und längst überholt.
Google hat seine Empfehlungen 2024 in einem überarbeiteten Leitfaden zusammengefasst und einen eigenen Abschnitt eingefügt, in dem die häufigsten Irrtümer aufgeräumt werden. Daran orientiert sich dieser Beitrag — ergänzt um das, was ich in der Praxis sehe.
Mythos 1: Keywords im Meta-Tag bringen dich nach oben
In vielen WordPress-Themes und Yoast-Konfigurationen gibt es ein Feld für „Meta-Keywords“. Manche Webdesigner füllen es immer noch fleißig.
Google nutzt das Feld seit Jahren nicht mehr fürs Ranking. Die Zeit, die du oder dein Webmensch dort hineinsteckt, ist verloren. Lass das Feld leer und konzentriere dich auf den Titel der Seite und die Meta-Description — die werden in den Suchergebnissen tatsächlich angezeigt.
Mythos 2: Je öfter das Keyword im Text steht, desto besser
Der Klassiker. „Wir verkaufen Heizungen in Eutin. Heizungen in Eutin sind unsere Spezialität. Wenn Sie Heizungen in Eutin suchen, sind Sie bei uns richtig.“
Das nennt sich Keyword-Stuffing und verstößt gegen Googles Richtlinien. Im besten Fall ignoriert Google den Text. Im schlechteren wird die Seite abgewertet. Schreib so, wie du mit einem Kunden am Telefon reden würdest. Wenn das Wort dabei dreimal vorkommt, ist das in Ordnung. Wenn du es krampfhaft einbauen musst, ist es zu viel.
Mythos 3: Der Domainname muss das wichtigste Keyword enthalten
Wer Glück hatte, hat heizung-eutin.de gekauft. Wer Pech hatte, hat sich schlauberger-installateur-koenig-fischer-eutin.de geleistet, weil das angeblich besser rankt.
Der Domainname allein hat kaum noch Gewicht beim Ranking. Such dir den Namen, den deine Kunden sich merken können und am Telefon nicht buchstabieren müssen. Bei der Endung — ob .de, .com oder .shop — gilt dasselbe. Außer du verkaufst gezielt nach Österreich, dann lohnt eine .at.
Mythos 4: Mindestens 1.000 Wörter pro Seite, sonst rankt nichts
Google hat keine Mindestlänge für Texte. Eine Seite mit 200 Wörtern, die die Frage des Lesers beantwortet, kann besser ranken als eine Seite mit 2.000 Wörtern, die um die Antwort herumschwafelt.
Schreib so lang, wie es das Thema braucht. Wenn du Heizungstausch erklärst, brauchst du mehr Worte als für deine Öffnungszeiten. Künstliches Strecken erkennt Google — und der Leser auch.
Mythos 5: Wenn derselbe Text auf zwei Seiten steht, gibt es eine Strafe
Manche Webdesigner reden von „Duplicate Content Penalty“, als wäre das ein Höllenfeuer. Wenn auf deiner Website dieselben drei Sätze auf zwei Seiten stehen — etwa eine kurze Firmenbeschreibung im Footer und auf der Über-uns-Seite — passiert nichts.
Eine echte Strafe gibt es nur, wenn du Texte von anderen Websites abkopierst, um Inhalte vorzutäuschen. Das ist etwas anderes. Solange du dich selbst zitierst und keinen Mitbewerber bestiehlst, bist du auf der sicheren Seite.
Mythos 6: E-E-A-T ist ein Ranking-Faktor
Falls dein Berater dir erzählt hat, dass er deine Website auf „E-E-A-T optimiert“ — Expertise, Erfahrung, Autorität, Vertrauen — und dafür extra zahlt: Google sagt selbst klar, dass E-E-A-T kein Ranking-Faktor ist. Es ist eine Beschreibung, was Google bei Inhalten gut findet, kein Knopf, an dem man dreht.
Was du tun kannst: einen klaren Autor benennen, eine Über-mich-Seite mit echtem Namen und Foto, Kontaktdaten, die stimmen. Das ist gute Praxis — aber es ist kein Mysterium und kostet keinen vierstelligen Beitrag.
Was statt der alten Regeln zählt
Wenn du jetzt denkst „und was bringt dann was?“ — drei Dinge, die wirklich wirken:
- Inhalte, die die Frage des Lesers beantworten. Wer in Plön nach „Sanitärinstallateur Notdienst“ sucht, will eine Telefonnummer und keine Konzernhistorie.
- Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil. Für lokale Betriebe ist das Profil wichtiger als jede Onpage-SEO. Wer in der Karte sichtbar ist, wird angerufen.
- Eine Website, die auf dem Smartphone funktioniert. Schnell laden, lesbar ohne Zoomen, Telefonnummer mit einem Klick wählbar.
Das sind Grundlagen. Aber die Grundlagen schlagen fast jede vermeintliche Optimierung.
Was das selbst bedeutet
Wenn du deine eigene Website überprüfen willst: einmal mit dem Smartphone öffnen, ohne dich vorher anzukündigen. Lädt sie in unter drei Sekunden? Findest du die Telefonnummer in zehn Sekunden? Beantwortet die Startseite, was dein Betrieb macht und für wen?
Wenn dabei zwei von drei Punkten hängen, ist das deutlich wichtiger als jedes Meta-Keyword.
Wenn du Klarheit haben willst
Keine Lust, deine Website zwischen zwei Kundenterminen selbst zu sezieren? Ich komme vorbei, schaue mir das Profil und die Website gemeinsam mit dir an und sage dir in einer halben Stunde, was wirklich klemmt. Der Vor-Ort-Check kostet nichts. Wenn dann was zu tun ist, machen wir das gemeinsam.
Über den Autor: Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er hilft kleinen und mittleren Betrieben in Ostholstein, im Kreis Plön und um Kiel herum, ihr Google-Unternehmensprofil und ihre Website auf das Wesentliche zu reduzieren — weniger Mythen, mehr Anrufe. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er lokale Betriebe von innen und weiß, welche Hebel tatsächlich greifen.

