Der Friseur zwei Straßen weiter taucht bei Google immer vor dir auf. Dabei hast du dieselbe Software, dieselbe Webseite-Vorlage, sogar dieselbe Werbeagentur. Wenn du dann beim Telefonieren einen netten Berater an der Strippe hast, der „garantierte Top-Platzierung in vier Wochen“ verspricht, ist die Versuchung groß.
Mach das nicht. Was deinem Profil meistens fehlt, sind Backlinks – und die kann dir kein Berater am Telefon einfach so beschaffen. Den größten Teil davon musst du selbst aktiv einsammeln. Ich erkläre dir, wie das geht.
Was ein Backlink ist und warum Google ihn ernst nimmt
Ein Backlink ist nichts anderes als ein Link, der von einer fremden Webseite auf deine zeigt. Wenn die Webseite vom Schützenverein Eutin auf deine Bäckerei verlinkt, ist das ein Backlink.
Google bewertet Webseiten unter anderem danach, wer auf sie verlinkt. Die Logik dahinter ist: Wenn andere Menschen auf eine Seite verlinken, scheint sie etwas wert zu sein. Eine Webseite ohne Backlinks ist für Google so, als wäre sie unsichtbar – auch wenn sie inhaltlich gut ist.
Für dich als lokaler Betrieb gilt: Lokale Backlinks sind wertvoller als beliebige Backlinks. Ein Link vom Stadtportal Plön bringt dir mehr als zehn Links von irgendeiner Allgemein-Seite aus Süddeutschland. Google versteht: Wenn die Stadt selbst dich kennt, bist du tatsächlich da.
Warum du das größtenteils selbst machen musst
Hier kommt der Punkt, der viele Inhaber überrascht. Eine Agentur kann dein Google-Profil pflegen. Sie kann deine Webseite optimieren. Sie kann dich in Branchenverzeichnisse eintragen. Was sie aber nicht kann: An deiner Stelle zum Schützenverein gehen und fragen, ob dein Logo bei den Sponsoren mit einem Link versehen wird.
Lokale Backlinks entstehen aus echten Beziehungen. Aus deinen Kunden, deinen Lieferanten, deiner Mitgliedschaft im Gewerbeverein, aus Vereinen, die du sponserst, aus Erwähnungen in der Lokalpresse. Das alles steckt in deinem Alltag. Nur dort.
Ich kann dir bei einem Teil helfen – Branchenverzeichnisse, Stadtportale, IHK-Eintrag. Den anderen Teil musst du anstoßen. Ich nenne das gerne den Bettel-Anteil. Klingt unangenehm, ist aber genau das, was es ist: höflich nachfragen, ob jemand auf deine Webseite verlinkt.
Die gute Nachricht: Bei kleinen Betrieben in Schleswig-Holstein ist die Menge überschaubar. Niemand erwartet von dir, dass du 200 Backlinks aufbaust. 15 bis 25 saubere lokale Links sind für die meisten Betriebe schon ein deutlicher Schub.
Schritt 1: Was du schon hast
Bevor du um neue Links bittest, schau, was schon da ist. Viele Betriebe haben Backlinks, von denen sie nichts wissen.
Du brauchst dafür die Google Search Console. Die ist kostenlos und sollte ohnehin für deine Webseite eingerichtet sein. Falls nicht: Frag deinen Webdesigner oder mich, das ist eine Sache von zehn Minuten. In der Search Console findest du im Menü links den Punkt „Links“. Dort listet Google alle Webseiten auf, die auf deine zeigt.
Schau dir die Liste an. Du wirst überrascht sein, was da alles drinsteht: alte Vereinsseiten, Erwähnungen in Lokalblättern aus 2017, der Eintrag im Mitgliederverzeichnis deiner Innung. Manches davon kanntest du nicht mehr.
Aus meiner Praxis heraus: Bei drei von vier Betrieben fehlen entweder die wichtigsten lokalen Links komplett – oder die vorhandenen sind kaputt, weil die Webseite vor zwei Jahren umgezogen ist und niemand die Vereine darüber informiert hat.
Schritt 2: Die einfachen lokalen Quellen
Diese Quellen sind das niedrig hängende Obst. Hier holst du dir die ersten zehn bis fünfzehn Links, die schon einen Unterschied machen.
Stadtportal deiner Gemeinde. Fast jede Gemeinde hat einen Bereich für ortsansässige Betriebe. Schau auf der Webseite deiner Stadt nach „Wirtschaft“, „Unternehmen vor Ort“ oder „Branchenverzeichnis“. Wenn dort ein Eintragsformular ist, fülle es aus. Wenn nicht: Ruf bei der Wirtschaftsförderung an. Ein Anruf, fünf Minuten, fertig.
IHK und Innung. Du bist vermutlich Pflichtmitglied. Schau, ob du im Mitgliederverzeichnis stehst und ob deine Webseite verlinkt ist. Bei der IHK zu Lübeck (zuständig für Ostholstein, Lübeck, Stormarn) und der Kreishandwerkerschaft ist das oft ein Klick im Mitgliederbereich. Falls deine Webseite nicht hinterlegt ist: Ergänzen.
Lokale Gewerbevereine. Die Webseiten sind technisch oft schlicht, aber lokal stark. Mitgliederlisten enthalten in der Regel einen Webseiten-Link. Wenn du Mitglied bist, prüfe den Eintrag. Wenn nicht und du den Verein interessant findest – das wäre ein Beitritt mit messbarem Nebeneffekt.
Vereine, die du sponserst. Wenn du den örtlichen Sportverein, die Feuerwehr, den Karnevalsverein oder das Schützenfest sponserst, steht dein Logo wahrscheinlich auf einer Sponsoren-Seite. Steht es da auch mit einem Link auf deine Webseite? Bei vielen Vereinsseiten fehlt der Link einfach, weil niemand danach gefragt hat. Eine kurze Mail an den Vorstand reicht. Das ist der unterschätzteste Quick-Win.
Branchenverbände. DEHOGA für Gastro, Friseurinnung, Bäckerinnung, Fleischerinnung – die meisten haben eine Mitglieder-Suche mit Webseiten-Link. Prüfen, ergänzen, fertig.
Schritt 3: Die Beziehungs-Quellen (hier wird gebettelt)
Jetzt wird es persönlich. Diese Links bringen am meisten – und sie kosten dich Überwindung. Du musst Menschen ansprechen, die dich kennen, und sie bitten, etwas für dich zu tun.
Lieferanten. Hat dein Kaffeeröster auf seiner Webseite eine Liste mit „Wir beliefern …“? Wenn nicht, frag, ob er sie anlegen würde. Wenn ja, prüf, ob du drauf stehst und ob dein Name verlinkt ist. Dasselbe gilt für deinen Bäcker-Backshop-Lieferanten, deinen Fleisch-Großhandel, deinen Getränke-Lieferanten. Lieferanten machen das oft gerne, weil es auch ihnen Glaubwürdigkeit gibt.
Kunden mit Webseite. Wenn du an Geschäftskunden lieferst – Hotels, Restaurants, andere Betriebe – frag, ob sie auf ihrer Webseite ihre Lieferanten oder Partner nennen. Manche tun es, viele könnten es. Eine kurze Mail: „Wir freuen uns über die Zusammenarbeit – falls ihr auf eurer Webseite Partner nennt, wären wir gerne dabei mit Link auf [deine-webseite.de].“ Das ist keine Bettelei, das ist eine sachliche Nachfrage.
Kooperationspartner. Tischler arbeitet mit Maler zusammen, Fotograf mit Brautmoden-Geschäft, Hochzeits-DJ mit Hotel. Wenn ihr euch gegenseitig empfehlt, dann macht das auch online sichtbar – nicht in einer Tausch-Aktion „du verlinkst mich, ich verlinke dich auf einer Linkliste“, sondern als ehrliche Empfehlung im Fließtext einer Webseite. Beispiel: „Für die Fotografie arbeiten wir seit Jahren mit [Name] zusammen.“
Lokale Presse. Wenn dein Betrieb mal in einem Artikel erwähnt wurde – Eröffnung, Jubiläum, Spendenaktion, Auszeichnung – schau, ob die Online-Version des Artikels noch da ist. Wenn ja, prüf, ob dein Name verlinkt ist. Wenn nicht, mail freundlich an die Redaktion und frag, ob das nachträglich ergänzt werden kann. Das funktioniert nicht immer, aber öfter, als du denkst.
Eigene Pressearbeit ist für die meisten Betriebe zu aufwändig, aber bei besonderen Anlässen lohnt sich eine kurze Mitteilung an die Lübecker Nachrichten, das Wochenblatt oder den lokalen Reporter. Ein Online-Artikel mit Link ist einer der stärksten lokalen Backlinks, die du bekommen kannst.
Was du auf keinen Fall machst
Drei Dinge schaden mehr, als dass sie nutzen. Halt dich strikt davon fern, egal wie verlockend die Werbeversprechen klingen.
Backlinks kaufen. Es gibt Anbieter, die dir „50 Backlinks für 99 Euro“ verkaufen. Diese Links kommen von Schrott-Webseiten, die nur dafür existieren, Links zu verkaufen. Google erkennt das fast immer. Im besten Fall ignoriert Google die Links. Im schlechteren Fall fliegst du aus dem Index. Beides hat dir 99 Euro gekostet.
Massen-Eintragungen. „Wir tragen Sie in 200 Branchenverzeichnisse ein!“ – Das gibt es als Service. Die meisten dieser 200 Verzeichnisse sind tot, automatisch generiert oder Spam. Google bewertet das sehr negativ. Lieber zehn gute Verzeichnisse als 200 schlechte.
Linktausch in großem Stil. Ein gegenseitiger Link mit einem Kooperationspartner ist okay, wenn die Kooperation echt ist. Ein systematischer Tauschring „du verlinkst mich, ich verlinke zehn andere, die verlinken dich“ – das erkennt Google.
Was passiert, wenn schon Schrott drin ist
Manche Betriebe haben aus früheren Versuchen toxische Links im Bestand. Das fällt dir auf, wenn du in der Search Console viele Webseiten findest, die du nicht kennst und die eindeutig nicht aus deiner Region oder Branche kommen.
Es gibt ein Werkzeug von Google, das nennt sich Disavow-Tool. Damit kannst du Google sagen: „Diese Links bitte ignorieren, ich will nichts mit denen zu tun haben.“ Das ist allerdings nichts, was du nebenher machst – falsch eingesetzt entwertest du gute Links und schadest dir selbst.
Wenn du den Verdacht hast, dass in deinem Backlink-Bestand viel Schrott steckt: Lass das einmal jemanden prüfen. Bei kleinen Betrieben kommt das selten vor, aber wenn, ist es eine eigene Baustelle.
Wie viel Zeit musst du einplanen
Die Bestandsaufnahme über die Search Console: 30 Minuten beim ersten Mal, dann zweimal im Jahr je 15 Minuten.
Die einfachen Quellen aus Schritt 2 (Stadtportal, IHK, Innung, Vereine, Branchenverbände): zwei bis drei Stunden in einem Rutsch, einmalig. Danach gelegentliche Pflege, wenn sich etwas ändert.
Die Beziehungs-Quellen aus Schritt 3: Das ist nicht in einer Sitzung erledigt. Plan dir einmal pro Quartal eine Stunde ein, in der du fünf Mails an Lieferanten, Kunden oder Vereine schreibst. So kommst du im Lauf eines Jahres auf 20 saubere Anfragen. Erfahrungsgemäß sagt etwa die Hälfte zu. Das sind dann zehn neue Backlinks pro Jahr, ohne Hektik.
Wo ich helfe und wo nicht
Ehrlich gesagt: Den größten Teil der Arbeit musst du selbst machen, weil sie aus deinen Beziehungen entsteht. Was ich abnehmen kann:
- Bestandsaufnahme: Search Console einrichten, vorhandene Backlinks sortieren, toxische Links identifizieren und gegebenenfalls eine Disavow-Liste vorbereiten.
- Branchenverzeichnisse und Portale: Eintragungen bei Gelbe Seiten, Das Örtliche, 11880, Yelp, Bing Places, Apple Business Connect – sauber angelegt, einheitlich, ohne den 200er-Massen-Quatsch.
- Stadtportal- und Verbands-Eintragungen: Anstoßen, ausfüllen, nachfassen.
- Eine Liste, mit der du selbst weiterarbeiten kannst: Welche Lieferanten, Kunden und Vereine du anschreiben solltest, mit Vorlagentexten für die Mails.
Was ich nicht abnehmen kann: An deiner Stelle bei deinen Lieferanten anrufen. Das musst du selbst tun, sonst klingt es falsch.
Wenn du das nicht selbst angehen willst
Zu viele Punkte, zu wenig Zeit? Ich schaue mir kostenlos an, wo dein Betrieb beim Thema Backlinks gerade steht – Search Console rein, Bestand sortiert, drei konkrete erste Schritte daraus. Wenn du danach selber loslegst, ist das in Ordnung. Wenn du das Verzeichnis-Paket dazu möchtest, machen wir das im Anschluss. [Kontakt aufnehmen]
Über Thorsten Lutz
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er optimiert Google-Unternehmensprofile und Branchenverzeichnis-Einträge für kleine und mittelständische Betriebe zwischen Kiel und Lübeck. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er die Realität in lokalen Betrieben von innen – und weiß, welche Hebel sich für Inhaber tatsächlich auszahlen, wenn die Zeit knapp ist.

