Wo KI ihre Antworten herholt und warum LinkedIn jetzt mitspielt

Du hast es vielleicht schon gemerkt: Immer mehr Menschen googeln nicht mehr, sondern fragen ChatGPT. „Wer ist der beste Friseur in Eutin?“ „Welche Bäckerei in Plön hat samstags geöffnet?“ Die Antwort kommt als Fließtext, mit zwei oder drei Quellen darunter.

Die Frage ist: Aus welchen Quellen?

Was Semrush herausgefunden hat

Semrush hat im Frühjahr 2026 zusammen mit LinkedIn eine größere Studie veröffentlicht. 325.000 Suchanfragen wurden bei ChatGPT, Google AI Mode und Perplexity ausgewertet. Welche Quellen werden zitiert, wenn die KI antwortet?

Das Ergebnis hat einige überrascht.

Die wichtigsten Zahlen aus der Studie:

  • LinkedIn ist die zweithäufigst zitierte Quelle über alle drei KI-Systeme hinweg. Im Schnitt taucht LinkedIn in 11 % aller KI-Antworten als Quelle auf.
  • Bei ChatGPT sind es 14,3 %, bei Google AI Mode 13,5 %, bei Perplexity 5,3 %.
  • Damit liegt LinkedIn vor Wikipedia, vor YouTube, vor jeder großen Nachrichten-Website.
  • 95 % der zitierten Inhalte sind Originalposts — keine geteilten Beiträge.
  • Lange LinkedIn-Artikel werden besonders oft zitiert: Sie machen 50 bis 66 % der LinkedIn-Citations aus.

Klingt nach Marketing-Kram weit weg von einem Handwerksbetrieb in Schleswig-Holstein? Stimmt zur Hälfte. Die andere Hälfte ist relevant — und zwar konkret.

Was davon betrifft dich als kleinen Betrieb?

Wenn du einen Friseursalon in Plön oder eine Tischlerei in Eutin führst, schreibst du keine LinkedIn-Artikel. Brauchst du auch nicht. Aber ein paar Punkte aus der Studie sind für dich wichtig — und die meisten anderen Inhaber wissen davon nichts.

Erstens: Bewertungs-Portale werden von KI gelesen. In der Studie tauchen „Review platforms“ und „Comparison pages“ als Kern-Quellen auf. Damit sind Portale wie Provenexpert, Yelp, Trusted Shops gemeint — und auch Vergleichsseiten in deiner Branche. Wenn ein Kunde ChatGPT fragt „welcher Heizungsbauer in Ostholstein ist gut?“, schaut die KI auch dort nach. Wer dort fehlt oder schlecht gepflegt ist, fehlt in der Antwort.

Zweitens: Was Google sieht, sieht oft auch die KI. Google AI Mode greift auf den gleichen Pool zu, mit dem auch normale Google-Ergebnisse erstellt werden. Dein Google-Unternehmensprofil, deine Bewertungen, deine Branchenverzeichnisse — das alles fließt mit ein. Ein gepflegtes Profil arbeitet dir doppelt zu: einmal in der klassischen Google-Suche, einmal in der KI-Antwort.

Drittens: LinkedIn ist nicht für jeden Pflicht — aber für manche Branchen ein echter Hebel. Wenn du Steuerberater bist, im Beratungs-Geschäft, im B2B-Handwerk (Industrie-Reinigung, Anlagenbau, Schaltschrankbau), als Coach oder als Spezialdienstleister — dann ist LinkedIn jetzt ein Sichtbarkeits-Faktor, den du nicht mehr ignorieren kannst. Für den Bäcker um die Ecke ist es weiter zweitrangig.

Was die Studie über Reichweite sagt — und warum das beruhigend ist

Eine der überraschendsten Zahlen aus der Studie: Die LinkedIn-Posts, die von der KI am häufigsten zitiert werden, haben im Median 15 bis 25 Reaktionen und höchstens einen Kommentar.

Anders gesagt: Die KI zitiert nicht die Posts mit den meisten „Likes“. Sie zitiert die Posts, die eine konkrete Frage konkret beantworten. Reichweite ist nicht entscheidend.

Das gleiche Muster zeigt sich bei Reddit-Threads (die in der Studie auf Platz eins stehen): Zitiert werden überwiegend ältere, leise Diskussionen mit klaren Antworten — nicht die viralen Threads.

Für dich als kleinen Betrieb heißt das: Du musst keine Reichweite aufbauen. Du musst klar sein.

Was du konkret tun solltest

Drei Sachen, in dieser Reihenfolge:

  1. Sorge dafür, dass dein Google-Unternehmensprofil sauber ist. Vollständig, mit aktuellen Fotos, mit allen Leistungen, mit Antworten auf Bewertungen. Das ist die Basis — auch für die KI-Sichtbarkeit. Wer hier verschlampt, taucht weder bei Google noch bei ChatGPT auf.
  2. Prüfe deine Einträge in Bewertungs- und Vergleichsportalen. Provenexpert, Trusted Shops, Yelp, branchenspezifische Portale. Sind die Einträge aktuell? Stimmen Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten? Werden Bewertungen beantwortet?
  3. Nur wenn du B2B oder beratungsnah unterwegs bist: LinkedIn-Profil pflegen. Kein Daueraktionismus, keine täglichen Posts. Aber ein klar formuliertes Profil mit Fokus, ein paar längere Texte über das, was du wirklich kannst, und das war’s.

Wenn du dich fragst, was davon dringlich ist

Punkt eins ist die Pflicht. Punkt zwei ist die Kür für jeden, der mehr als nur Laufkundschaft hat. Punkt drei ist Spezialfall — und wenn er auf dich zutrifft, weißt du das wahrscheinlich.

Was du nicht brauchst: Reddit-Account, X-Profil, TikTok-Videos. Die Studie zeigt zwar, dass Reddit zitiert wird — aber für einen Betrieb in Schleswig-Holstein ist das eine zu große Distanz mit zu kleinem Hebel.

Halt es einfach. Das eigene Profil, die wichtigsten Portale, vielleicht LinkedIn. Das reicht.

Wenn du nicht selbst ran willst

Den Google-Unternehmens-Check kann ich kostenlos für dich machen. Eine halbe Stunde, dann weißt du, wo du stehst — auch im Hinblick darauf, ob KI-Systeme dich überhaupt finden können. Bewertungsportale und Branchenverzeichnisse als Paket gibt’s im monatlichen Service mit dazu.

Melde dich, wenn das Thema bei dir ansteht.

Quellen und Weiterführendes


Über den Autor

Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittlere Betriebe ein, pflegt Branchenverzeichnis-Einträge und betreut die laufende Sichtbarkeit im Internet. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er lokale Betriebe von innen — und filtert für seine Kunden, was an SEO-Trends bei einem Friseur in Plön ankommt und was nicht.

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