Was ich nicht mache: vorschnelle Werbeanzeigen

Kurz vorab: Wenn ein Bäcker, ein Friseur oder eine Physiotherapie-Praxis bei mir anfragt und sagt „Ich will Google Ads schalten“ — dann widerspreche ich meistens. Nicht weil Werbung schlecht wäre. Sondern weil sie zum falschen Zeitpunkt teures Lehrgeld ist.

Warum überhaupt zuerst das Fundament?

Wenn jemand bei Google nach einem Friseur in Plön sucht, sieht er drei Dinge auf dem Smartphone: ganz oben ein paar Anzeigen, darunter die Kartenansicht mit drei Profilen, und erst danach die normale Trefferliste.

Die meisten Klicks im lokalen Bereich gehen nicht auf die Anzeigen. Sie gehen auf die Kartenansicht — und dort wird nach Bewertungen, Fotos, Öffnungszeiten und Vollständigkeit entschieden, wer angeklickt wird. Wer dort schwach aussieht, gewinnt auch mit bezahlter Anzeige nichts dazu. Der Klick kostet, der Anruf bleibt aus.

Deshalb ist die Reihenfolge bei mir immer dieselbe:

  1. Google-Profil sauber aufstellen
  2. Bewertungen systematisch sammeln und beantworten
  3. Einträge in Branchenverzeichnissen konsistent halten
  4. Drei bis sechs Monate Daten sammeln, beobachten, nachjustieren
  5. Erst dann prüfen, ob bezahlte Werbung Sinn ergibt — und für welche Suchanfragen genau

Wo bezahlte Werbung für kleine Betriebe selten funktioniert

Das ist keine Ideologie, sondern Mathematik. Für die meisten meiner Kunden in Schleswig-Holstein lohnt sich Google Ads aus konkreten Gründen nicht oder noch nicht:

Friseure, Restaurants, Cafés, Einzelhandel. Hier ist der Auftragswert pro Kunde überschaubar — ein Haarschnitt, ein Mittagstisch, ein Kleidungsstück. Gleichzeitig sind das Branchen, in denen Empfehlung und Stammkundschaft alles entscheiden. Eine Google-Anzeige bringt vielleicht einen Klick, aber selten einen Kunden, der wiederkommt. Die gleiche Energie in saubere Bewertungen und aktuelle Fotos investiert bringt mehr.

Dienstleistungen, die auf Vertrauen basieren. Coaches, Berater, Therapeuten, Heilpraktiker. Wer hier eine Anzeige sieht, klickt eher selten — Vertrauen entsteht über Empfehlung, eine ruhige Profilbeschreibung und Bewertungen, die echt klingen. Eine Anzeige ist hier das schwächste Signal.

B2B mit langem Verkaufsprozess. Wenn ein Auftrag drei Gespräche, ein Angebot und zwei Wochen Bedenkzeit braucht, ist die Anzeige nur der allererste Kontakt. Ohne Folgeprozess (Newsletter, Empfehlungssystem, regelmäßige Sichtbarkeit) versickern die Klicks.

Solange das Profil schwach ist. Wer mit einer Anzeige Aufmerksamkeit kauft und dann auf ein Profil mit zwei Bewertungen aus 2021 und falschen Öffnungszeiten leitet, hat das Geld zweimal verloren: für den Klick und für den Eindruck.

Wann Werbung später Sinn ergeben kann

Es gibt Situationen, in denen ich Werbung ausdrücklich empfehle — meistens aber nicht direkt am Anfang, sondern wenn das Fundament steht.

Notfall-Suchanfragen mit hoher Kaufabsicht. Schlüsseldienst, Rohrreinigung, Glaserei-Notdienst, Wasserschaden, Abschleppdienst. Wer „Schlüsseldienst Eutin jetzt“ sucht, vergleicht nicht zehn Anbieter. Hier rechnet sich eine Anzeige fast immer, weil ein einziger gewonnener Auftrag den Adspend von Wochen abdeckt.

Hoher Auftragswert, lange Recherche. Wärmepumpe, Photovoltaik, Bad-Sanierung, Implantat-Beratung, Erstberatung beim Steuerberater. Hier ist ein einzelner Kunde so wertvoll, dass auch teurere Klicks vertretbar sind. Vorausgesetzt, die Landingpage ist überzeugend und es gibt einen klaren Folge-Prozess.

Eine konkrete Aktion mit Verfallsdatum. Tag der offenen Tür, Eröffnungswoche, Saisonstart bei einer Eisdiele oder einer Reifenwerkstatt. Hier ist Werbung ein Werkzeug für ein klar abgegrenztes Fenster — kein dauerhafter Kanal.

Ein Standort, an dem die Konkurrenz im Profil schwach ist. In ländlich geprägten Regionen mit wenig Wettbewerb kann eine kleine Anzeigen-Kampagne mit überschaubarem Tagesbudget tatsächlich sichtbar sein. In Hamburg oder Berlin würde dasselbe Budget wirkungslos verpuffen.

Was das praktisch heißt

Wer mich beauftragt, bekommt zuerst die Hausaufgaben gemacht: Profil, Bewertungen, Verzeichnisse, monatliche Pflege. Nach drei bis sechs Monaten gibt es Daten — welche Suchbegriffe bringen Leute auf das Profil, woher kommen Anrufe, wo gibt es Lücken. Erst dann hat eine Empfehlung für oder gegen Werbung eine Grundlage.

Wenn dann eine Werbekampagne sinnvoll wäre und du das machen möchtest, vermittle ich dich an jemanden, der das hauptberuflich macht. Ich übernehme keine Anzeigen-Verwaltung. Das ist ein eigenes Handwerk, und ich mache lieber eine Sache richtig als zwei halb.

Was du davon hast

Ehrliche Reihenfolge ist langweiliger als „Wir bringen dich in zwei Wochen auf Platz eins“. Aber sie ist die einzige, die bei kleinen Betrieben funktioniert. Wenn du jemanden suchst, der dir verspricht, dass eine Anzeige dein Problem löst, dann bin ich nicht der Richtige. Wenn du jemanden suchst, der dir sagt, was zuerst dran ist und was später — gerne.

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