Du hast ein Google-Profil. Vermutlich. Vielleicht hat es vor Jahren mal jemand angelegt, vielleicht hat Google es selbst aus alten Daten zusammengestückelt. Du weißt es nicht so genau. Aber du hast den Verdacht, dass es nichts bringt – Anrufe kommen kaum noch rein, neue Kunden ohnehin selten.
Das Profil ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Hebel, den du gerade hast. Wichtiger als deine Webseite, wichtiger als Werbung, wichtiger als Flyer. In diesem Beitrag erkläre ich dir, was rein muss, warum genau das einen Unterschied macht – und wie du entscheidest, ob du das selbst angehst oder es lieber auslagerst.
Was ist das Google-Unternehmensprofil überhaupt?
Wenn jemand bei Google nach „Friseur Plön“ sucht, sieht er meistens drei Ergebnisse mit Karte, Sternen und Öffnungszeiten – noch bevor die normalen Suchergebnisse kommen. Diese drei Einträge nennen sich Local Pack. Was du dort siehst, sind keine Webseiten. Es sind Google-Unternehmensprofile.

Das Profil ist also dein Eintrag bei Google selbst – ähnlich wie früher der Eintrag im Branchenbuch, nur dass dieses Branchenbuch heute die ganze Welt benutzt. Und im Gegensatz zum Branchenbuch ist es kostenlos. Bis 2022 hieß das Ganze „Google My Business“, Google hat es dann umbenannt. Wer noch vom „GMB-Profil“ oder „MyBusiness-Eintrag“ spricht, meint dasselbe.
Warum das Profil so viel ausmacht – ein paar Zahlen
Bevor wir in die Details gehen, eine ehrliche Einordnung mit harten Zahlen. Diese sind es wert, sich zu merken:
- 46% aller Google-Suchen haben lokale Absicht. Fast jede zweite Suche bei Google bezieht sich auf etwas in der Nähe – ein Geschäft, eine Dienstleistung, eine Adresse. Quelle: Google selbst.
- 88% der Menschen, die mit dem Smartphone nach einem lokalen Betrieb suchen, rufen innerhalb von 24 Stunden an oder besuchen den Laden. Lokale Suche bedeutet also: Hohe Kaufbereitschaft, kurze Entscheidungswege. Wer dort sichtbar ist, gewinnt – wer nicht, ist raus.
- Betriebe mit vollständigen, optimierten Google-Profilen bekommen siebenmal so viele Klicks wie solche mit unvollständigen Einträgen. Das ist eine Zahl von Google selbst. Vollständigkeit ist der Hebel, der den Unterschied ausmacht – nicht Tricks, nicht Werbung.
- Vollständig ausgefüllte und verifizierte Profile erscheinen 80 Prozent häufiger in den Suchergebnissen, generieren viermal so viele Webseiten-Besuche, 12 Prozent mehr Anrufe und 10 Prozent mehr Wegbeschreibungs-Anfragen als unvollständige Profile.
- 86 Prozent aller Profilaufrufe kommen aus kategoriebasierten Suchen wie „Friseur in Plön“ oder „Bäckerei Eutin“. Das ist die Pointe, die viele Inhaber unterschätzen: Die meisten deiner potenziellen Kunden kennen deinen Namen nicht. Sie tippen die Leistung plus den Ort. Wer dort nicht erscheint, existiert für sie nicht – egal wie alt der Betrieb ist und wie gut er ist.
Eine letzte Zahl, weil sie für die Praxis wichtig ist: Unter Local-SEO-Experten gilt das Google-Profil mit 32 Prozent Gewichtung als der mit Abstand wichtigste Ranking-Faktor für die lokale Suche. Wichtiger als die Webseite, wichtiger als Backlinks, wichtiger als alles andere zusammen.
Lohnt sich das für deinen Betrieb?
Kurz: Wenn du in einer Region tätig bist, in die Kunden physisch zu dir kommen oder zu denen du physisch hinfährst, ja. Friseure, Bäcker, Werkstätten, Tischler, Maler, Steuerberater, Friedhofsgärtner, Ferienwohnungsvermieter, Restaurants, Kosmetikstudios, Physiotherapeuten – die ganze Bandbreite des lokalen Mittelstands profitiert.
Wer nicht profitiert: Reine Online-Anbieter ohne Ortsbezug, B2B-Dienstleister mit überregionaler Kundschaft, Betriebe, die ausschließlich über Empfehlungen arbeiten und keine neuen Kunden suchen.
Aus meiner Beobachtung in lokalen Betrieben in Schleswig-Holstein: Die meisten haben ein Profil. Nur sehr wenige haben es so gepflegt, dass die Zahlen oben für sie tatsächlich greifen. Das ist ein verschenkter Hebel – und gleichzeitig die größte Chance.
Was rein muss – die Pflichtbestandteile
Diese Punkte sind keine Empfehlung, sie sind Mindeststandard. Wer einen Punkt davon weglässt, verschenkt Sichtbarkeit. Ich gehe sie der Reihe nach durch.
1. Unternehmensname. Korrekt geschrieben, identisch zur Webseite, identisch zum Impressum, identisch zu allen Branchenverzeichnis-Einträgen. Keine Zusätze wie „Friseur Müller – Ihr Spezialist für Brautfrisuren“ – das verstößt gegen Googles Richtlinien und kann zur Sperrung führen. Nur der echte Firmenname.
2. Telefonnummer mit regionaler Vorwahl. Festnetz, nicht Mobilnummer. Eine 04361-Nummer signalisiert Google: Dieser Betrieb ist vor Ort verankert. Eine 0171-Nummer wirft diese Vermutung über den Haufen. Wenn deine Mitarbeiter mobil unterwegs sind, ist eine Festnetznummer mit Weiterleitung der saubere Weg.
3. Adresse. Vollständig, exakt so wie auf der Webseite und im Impressum. Wenn du in deinem Footer „Hauptstr. 12″ schreibst, im Profil aber „Hauptstraße 12″ – das sind für Google zwei verschiedene Adressen. Konsistenz schlägt Vollständigkeit nicht, aber sie ist ihre Voraussetzung.
4. Öffnungszeiten. Aktuell und ehrlich. Inklusive Sonderöffnungszeiten an Feiertagen. Aus meiner Erfahrung der häufigste Punkt, an dem Google-Profile ungepflegt wirken: Ein Kunde steht am 1. Mai um 10 Uhr vor der Tür, weil bei Google noch „geöffnet“ stand. Das ist ein verlorener Kunde – und eine schlechte Bewertung wartet wahrscheinlich schon.
5. Unternehmensbeschreibung. 750 Zeichen sind erlaubt, du solltest sie nutzen. Drei Anforderungen an den Text: Er soll wichtige Schlagwörter enthalten (Leistungen, Ort), er soll Vertrauen aufbauen (was unterscheidet dich, seit wann gibt es dich), und er soll dazu einladen, Kontakt aufzunehmen. Profile auf den Top-3-Plätzen haben zu rund 75 Prozent eine vollständig ausgefüllte Beschreibung – auf den hinteren Plätzen sind es weniger als 40 Prozent.
6. Kategorien. Eine Hauptkategorie, mehrere Nebenkategorien. Lokale SEO-Experten halten die Hauptkategorie für den allerwichtigsten Ranking-Faktor. Wer als „Friseur“ eingeordnet ist, taucht bei „Friseur“-Suchen auf. Wer fälschlich als „Schönheitssalon“ gelistet ist, vielleicht nicht. Diese Wahl genau treffen, ist Pflichtaufgabe.
7. Google-Attribute. Das sind kleine Häkchen wie „rollstuhlgerecht“, „kostenlose Parkplätze“, „Bezahlung mit Karte“, „Frauen geführt“, „LGBTQ+ freundlich“. Sie wirken klein, aber sie filtern Suchergebnisse. Wer ein rollstuhlgerechtes Restaurant sucht, sieht nur die Treffer mit dem entsprechenden Attribut. Alles, was zutrifft, sollte gesetzt sein.
8. Fotos. Hier liegt der größte Hebel und gleichzeitig der wundeste Punkt. Mindestens nötig sind:
- Logo
- Titelbild (das große Bild oben im Profil)
- mehrere Innenaufnahmen (Verkaufsraum, Werkstatt, Empfangsbereich)
- mindestens eine Außenaufnahme (Schaufenster, Eingang, Hausfassade – damit Kunden den Laden wiedererkennen)
- Team-Bilder (Menschen verkaufen, nicht Räume)
Google selbst zeigt: Profile mit Fotos bekommen 42 Prozent mehr Wegbeschreibungs-Anfragen und 35 Prozent mehr Webseiten-Klicks als Profile ohne Fotos. Wer also fotografisch nichts liefert, verschenkt aktiv Kunden, die Google sonst zu ihm geschickt hätte.
Do’s und Don’ts aus der Praxis
Was Google in den Richtlinien nicht so deutlich sagt, was ich aber bei vielen Betrieben sehe:
- Stockfotos sind tabu. Google erkennt sie meistens und straft das Profil ab. Ein verwackeltes echtes Foto vom Schaufenster ist besser als ein perfektes Stockbild von einer fremden Bäckerei.
- Kein Keyword-Stopfen im Firmennamen. „Friseur Müller Plön Brautfrisur Färben“ ist ein Sperrgrund.
- Regelmäßige Pflege. Profile, die alle 90 Tage neue Fotos bekommen, haben rund 22 Prozent mehr Engagement als Profile mit unverändertem Bestand. Das ist nicht riesig, aber es summiert sich über Monate.
- Die Adresse stimmt überall. 62 Prozent der Verbraucher meiden einen Betrieb, wenn sie online widersprüchliche Angaben finden. Das heißt: Wenn auf der Webseite eine andere Telefonnummer steht als bei Google, verlierst du Kunden, die dich eigentlich anrufen wollten.
- Inhaberschaft beanspruchen. Wer das Profil nicht selbst beansprucht hat (in der Sprache von Google: „verifiziert“), kann es auch nicht steuern. Verifizierung läuft per Postkarte oder Telefonanruf, dauert ein bis zwei Wochen.
Bewertungen kommen später
An dieser Stelle der ehrliche Hinweis: Bewertungen sind ein eigenes Kapitel, und ein wichtiges. Sie gehören zwar formal zum Profil, ihre Pflege ist aber eine eigene Disziplin – Bewertungen einsammeln, beantworten, mit negativen umgehen. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag, der demnächst kommt. Für heute reicht: Bewertungen brauchen ein gepflegtes Profil als Fundament. Wer ein leeres Profil hat, bekommt auch keine Bewertungen.
Das kannst du selbst machen
Hier kommt der unbequeme Teil. Alles, was oben steht, kann jeder Inhaber selbst machen. Es gibt keine geheime Formel. Du brauchst:
- einen Google-Account
- Zugriff auf das Profil (oder eine Verifizierung, falls noch nicht beansprucht)
- ein Smartphone mit halbwegs ordentlicher Kamera
- eine Stunde für Profil-Grundeinrichtung
- eine weitere Stunde für ordentliche Fotos
- 30 Minuten pro Quartal für Pflege
Macht im ersten Jahr etwa fünf Stunden Arbeit. Wer das selbst macht, hat ein gutes Profil, gute Sichtbarkeit und keine laufenden Kosten. Das ist die ehrliche Wahrheit, die viele Berater nicht so deutlich sagen.
Wann es trotzdem Sinn ergibt, das auszulagern
Drei Konstellationen sehe ich bei Kunden immer wieder, in denen Selbermachen am Ende teurer wird als Auslagern:
Erstens: Du hast die Stunden nicht. Du arbeitest 60 Stunden im Betrieb, dein Buchhalter macht die Steuer, deine Frau die Werbung – und niemand hat Kapazität für „auch noch Google-Profil“. Das Profil bleibt ungepflegt, weil keiner das Thema priorisiert. Dann ist Auslagern keine Bequemlichkeit, sondern Pragmatismus.
Zweitens: Du hast es probiert und es bleibt liegen. Drei Monate lang nichts hochgeladen, keine Sonderöffnungszeit gepflegt, das Foto vom letzten Sommerfest lädt jemand „bei Gelegenheit“ hoch – und die Gelegenheit kommt nie. Aus meiner Praxis: Das ist der häufigste Fall. Selbst gemachte Profile kippen nach sechs bis zwölf Monaten in den Halbschlaf.
Drittens: Du willst dich um andere Dinge kümmern. Du hast einen Betrieb, weil du dein Handwerk gut kannst – nicht, weil du Lust hast, dich in Google-Funktionen einzulesen. Das ist legitim. Niemand erwartet von dir, dass du SEO-Spezialist wirst.
In allen drei Fällen übernehme ich das. Profil einrichten oder vom Inhaber übergeben lassen, Pflichtbestandteile sauber machen, Fotos vor Ort selbst aufnehmen, danach laufende Betreuung. Über die monatliche Betreuung kommen dann nach und nach auch die anderen Baustellen dran – Branchenverzeichnis-Einträge, Bewertungs-Routine, lokale Verlinkung. Das passiert nicht in einem Rutsch, sondern Schritt für Schritt.
Wie viel Zeit das einmal aufzusetzen kostet
Wenn du es selbst machst:
- Profil verifizieren: 1–2 Wochen Wartezeit auf Postkarte
- Grunddaten pflegen: 1 Stunde
- Beschreibung schreiben: 30 Minuten
- Kategorien und Attribute setzen: 30 Minuten
- Fotos aufnehmen und hochladen: 1–2 Stunden
- Pflegeroutine etablieren: alle drei Monate eine halbe Stunde
Wenn ich es mache:
- Vor-Ort-Termin mit Fotos: 1–2 Stunden bei dir
- Profil-Optimierung: machen wir gemeinsam oder ich übernehme komplett
- Laufende Pflege: monatlich, transparent dokumentiert
Wenn du wissen willst, wo dein Profil steht
Ich biete einen kostenlosen Vor-Ort-Check an. Ich komme vorbei, schaue mir gemeinsam mit dir das Profil an, sage dir in zehn Minuten, was fehlt – und ob du das selbst machen willst oder lieber abgibst. Beides ist ein gutes Ergebnis. Wer selbst loslegt, bekommt von mir trotzdem die Liste mit den drei wichtigsten Punkten zum Anpacken. [Kontakt aufnehmen]
Quellen und weiterführende Links
Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus folgenden Quellen. Alle Daten sind aus 2024 oder 2025, soweit verfügbar:
- HubSpot, 16 Stats That Prove the Importance of Local SEO: blog.hubspot.com/marketing/local-seo-stats – Quelle für die 46-Prozent-Zahl und die 88-Prozent-Zahl.
- Birdeye, State of Google Business Profile 2025: birdeye.com/blog/state-of-google-business-profiles – Quelle für die 80-Prozent-Sichtbarkeitssteigerung und die 86-Prozent-Kategorie-Suchen.
- Google selbst, zitiert in mehreren Quellen – Quelle für die 7-fachen Klicks und die 42-Prozent-Wegbeschreibungs-Steigerung.
- Whitespark Local Search Ranking Factors – Quelle für die 32-Prozent-Gewichtung des GBP als Ranking-Faktor.
- Localo, Analyse von 2 Millionen Profilen – Quelle für die Zahl, dass Profile auf Top-3-Plätzen zu 75 Prozent vollständige Beschreibungen haben.
- BrightLocal Local Consumer Review Survey – Quelle für die 62-Prozent-Zahl zu falschen Geschäftsangaben.
- newmedia.com 100+ Google Business Profile Statistics – Quelle für die 22-Prozent-Engagement-Steigerung durch regelmäßige Foto-Updates.
Eine Sammlung mit weiteren Statistiken und Quellen findet sich bei contentbycass.com (75 Google Business Profile stats for 2025) und seoprofy.com (75 Local SEO Statistics for 2026).
Über Thorsten Lutz
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittelständische Betriebe zwischen Kiel und Lübeck ein und pflegt sie laufend. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er die Realität in lokalen Betrieben von innen – und weiß, welche Hebel sich bei knapper Zeit wirklich auszahlen.

