Gerade macht eine Nachricht die Runde: Google hat eine KI, die dein Unternehmensprofil ausliest. Du fragst sie „Wie lief mein Geschäft diesen Monat?“ und bekommst eine Antwort. Klingt, als müsstest du da jetzt mit.
Bevor du dich darum kümmerst, lohnt ein nüchterner Blick. Vor allem auf einen Punkt, den fast niemand erwähnt.
Was ist Gemini überhaupt?
Gemini ist Googles KI-Assistent. So etwas wie ChatGPT, nur von Google. Du tippst eine Frage ein, die KI antwortet.
Neu ist: Du kannst dein Google-Unternehmensprofil direkt mit Gemini verbinden. Dann kennt die KI deine echten Zahlen – Aufrufe, Anrufe, Routenanfragen, Bewertungen. Angekündigt hat Google das am 10. Juni 2026.
Gemini und dein Google-Profil: Was geht konkret?
Google nennt drei Dinge, die das bringen soll:
- Zahlen erklären lassen. „Wie lief mein Geschäft diesen Monat?“ Gemini schaut auf Aufrufe aus Suche und Maps, auf Anrufe und auf Routenanfragen.
- Bewertungen beantworten. „Hilf mir, auf die letzte Bewertung zu antworten.“ Die KI schreibt einen Entwurf, der auf den konkreten Text eingeht.
- Profil pflegen. Öffnungszeiten ändern, einen Beitrag posten, Lücken im Profil finden.
Das ist ehrlich gesagt nützlich. Genau diese drei Dinge bleiben bei vielen Betrieben liegen.
Der Haken: In Deutschland noch nicht verfügbar
So weit die Ankündigung. Jetzt der Teil, der in den meisten Beiträgen fehlt.
Google rollt das Ganze diesen Monat weltweit aus – mit einer Ausnahme. In Googles eigener Fußnote steht: ausgenommen sind der Europäische Wirtschaftsraum und Großbritannien. Deutschland gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum.
Heißt im Klartext: Bei dir in Plön, Preetz oder Eutin kannst du dein Profil gerade gar nicht mit Gemini verbinden. Das kann sich ändern. Heute geht es nicht.
Kann das nur Gemini?
Bleibt die Frage: Ist Google mit so einer KI allein?
Nein. Auch andere KIs – zum Beispiel Claude von der Firma Anthropic – können die Zahlen aus einem Google-Profil lesen. Nicht direkt, sondern über eine Art Adapter. In der Fachsprache heißt der MCP – ein Standard, der eine KI an andere Programme anschließt. Mehrere Firmen verkaufen solche Adapter fertig zum Anklicken.
Klingt verlockend. Drei Dinge gehören dazu gesagt:
- Die meisten dieser Anbieter sitzen in den USA. Deine Kundendaten – Bewertungen, Anfragen – laufen dann über einen US-Dienst. Das ist eine Datenschutz-Frage, die du nicht überspringen solltest.
- Die meisten dieser Zugänge können nur lesen, nicht ändern. Die KI sagt dir, was los ist. Anpacken musst du selbst.
- Du brauchst ein Konto beim jeweiligen Dienst und musst ihn einrichten. „Ein Klick“ ist es selten.
Was eine KI kann – und was nicht
Worin sind sich Gemini, Claude und der Rest einig? Sie finden Probleme schneller. Eine unbeantwortete Frage auf deinem Profil. Öffnungszeiten, die zu Ostern falsch standen. Eine Bewertungsschnitt, der langsam kippt.
Aber eine KI fährt nicht nach Plön. Sie macht keine Fotos von deinem Laden. Sie merkt nicht, dass dein Schaufenster seit drei Jahren gleich aussieht. Und sie entscheidet nicht, welche von zehn Empfehlungen bei deinem Betrieb wirklich zählt.
Eine KI zeigt dir den Zettel mit den Baustellen. Abarbeiten muss ihn ein Mensch.
Was du heute schon selbst machen kannst
Ganz ohne neue KI-Funktion:
Öffne dein Google-Profil in der normalen Ansicht. Die Statistik zeigt dir Aufrufe, Anrufe, Routenanfragen und die Suchbegriffe, über die Leute dich finden. Diese Zahlen liest du auch ohne KI.
Und wenn du eine KI ausprobieren willst: Kopier deine letzten Bewertungen in einen kostenlosen Chat und frag, was Kunden immer wieder loben oder bemängeln. Dafür brauchst du keinen kostenpflichtigen Zugang und keinen US-Dienst.
Was das an Zeit bedeutet
Sich einmal durch die Profil-Statistik zu klicken: zwanzig Minuten. Die Zahlen zu verstehen und die richtigen Schritte daraus abzuleiten – das ist die eigentliche Arbeit. Und die kostet mehr als zwanzig Minuten.
Keine Lust, jeden Monat selbst auf die Zahlen zu schauen und zu raten, was sie bedeuten? Ich übernehme die laufende Betreuung deines Profils – schaue auf die Werte, kümmere mich um Bewertungen und Pflege. Melde dich, wenn das für dich passt.
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittlere Betriebe ein und pflegt sie laufend. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er lokale Betriebe von innen – und weiß, welche Hebel tatsächlich zu mehr Anfragen führen.
Weiterführend
- Google Keyword Blog: „Save time and grow your business with new Gemini tools“, 10.06.2026 – https://blog.google/innovation-and-ai/products/gemini-app/gemini-features-for-businesses/

