Vielleicht hast du die Schlagzeilen gesehen: „Google zeigt nur noch KI-Antworten”, „Die KI frisst die Klicks”. Oder ein Bekannter hat es beim Kaffee erzählt. Und jetzt fragst du dich, ob dein Google-Profil und deine Website überhaupt noch jemanden erreichen.
An den Schlagzeilen ist etwas dran – aber nicht das, was viele daraus machen. Es lohnt sich, kurz genau hinzuschauen, bevor du in Aktionismus verfällst oder resignierst.
Seit gut einem Jahr setzt Google über viele Suchergebnisse eine fertige Antwort. Google nennt das „AI Overviews”. Statt einer Liste mit Links steht oben ein zusammengefasster Text. Und ja: Wenn dieser Text erscheint, klicken deutlich weniger Leute auf die normalen Ergebnisse darunter.
Eine Untersuchung von Pew Research aus dem Sommer 2025 hat das gemessen. Mit so einer KI-Zusammenfassung klicken nur noch 8 von 100 Leuten auf ein normales Suchergebnis. Ohne sie sind es 15 von 100. Die Klicks halbieren sich also ungefähr. Das ist echt, und für Nachrichtenseiten und Ratgeber-Portale ist es ein Problem.
Jetzt kommt der Teil, den die Schlagzeilen weglassen. Diese KI-Antwort erscheint nicht bei jeder Suche. Und ausgerechnet bei den Suchen, von denen lokale Betriebe leben, erscheint sie bisher selten.
Wann die KI sich einmischt – und wann nicht
Tippt jemand „Friseur Plön” oder „Heizungsbauer Eutin” ein, will er keine Erklärung. Er will eine Liste mit Betrieben in der Nähe. Google zeigt dann das, was du kennst: den Kartenausschnitt mit drei Betrieben, Sternen und Telefonnummer (in Fachsprache: der „Local Pack”). Eine KI-Antwort kommt da fast nie.
Die Local-Search-Studie von Whitespark hat das für lokale Suchen ausgewertet. Bei einfachen Ortssuchen – Leistung plus Ort – erscheint die KI-Antwort nur in rund 15 von 100 Fällen. Die Karte bleibt der Chef.
Anders sieht es aus, sobald eine Frage mitschwingt. „Was kostet eine neue Heizung?”, „Wie lange dauert eine professionelle Zahnreinigung?”, „Worauf muss ich beim Maler achten?” – bei solchen Frage-Suchen schaltet sich die KI fast immer ein. In derselben Auswertung waren es über 90 von 100 Fällen.
Was das für deinen Betrieb heißt
Zwei Dinge.
Erstens: Deine Brot-und-Butter-Suche – jemand sucht deine Branche am Ort – ist von der KI kaum betroffen. Dein Google-Profil ist also nicht plötzlich wertlos. Im Gegenteil. Es ist das, was bei diesen Suchen ganz oben steht. Wer hier nachlässt, verliert Anrufe, ganz ohne KI.
Zweitens: Bei den Frage-Suchen, wo die KI antwortet, entscheidet sich, wessen Betrieb in dieser Antwort auftaucht. Und das ist der Punkt, an dem du etwas tun kannst.
Wie du gegenhältst – drei ehrliche Schritte
- Profil sauber halten. Öffnungszeiten, Kategorien, Fotos, Bewertungen. Das ist die Grundlage für die Kartensuche, und die läuft weiter. Hier holst du die meisten Anrufe.
- Eine ehrliche Antwort-Seite je Kernleistung. Nimm die Frage, die deine Kunden wirklich googeln, bevor sie anrufen – „Was kostet X?”, „Wie läuft X ab?”, „Worauf muss ich achten?” – und beantworte sie auf einer eigenen Seite. Klar, konkret, ohne Werbe-Geschwätz. Genau so eine Seite kann die KI als Quelle nehmen. Dann steht dein Name in der Antwort, nicht der vom Mitbewerber.
- Überall dieselben Angaben. Name, Adresse und Telefonnummer müssen auf Website, Profil und in den Verzeichnissen gleich geschrieben sein. Das gehört zu der Arbeit, mit der man bei Google überhaupt gefunden wird (in Fachsprache: SEO). Klingt banal, ist aber oft der Unterschied.
Was niemand garantieren kann
Eine Sache noch, weil sie sonst untergeht: Niemand kann dir versprechen, dass die KI ausgerechnet deinen Betrieb nennt. Wer „garantierte KI-Sichtbarkeit” verkauft, übertreibt. Was man tun kann, ist dafür sorgen, dass es überhaupt etwas Gutes zu zitieren gibt – und dass es bei Google gefunden wird. Mehr Hebel gibt es nicht, und mehr braucht es meistens auch nicht.
Das Profil zu pflegen kostet ein paar Stunden im Monat. Eine ordentliche Antwort-Seite schreibst du nicht in zehn Minuten – rechne mit einem halben Tag pro Leistung, wenn du es selbst machst und ehrlich bleibst. Zwei oder drei solcher Seiten reichen für den Anfang.
Du willst wissen, ob bei deinen Suchbegriffen die Karte erscheint oder die KI-Antwort – und ob dein Profil dafür aufgestellt ist? Das schaue ich mir an und sage dir, wo du stehst. Melde dich, wenn das für dich passt.
Über den Autor
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittlere Betriebe ein und pflegt sie laufend. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung bei lokalen Betrieben weiß er, welche Hebel tatsächlich zu mehr Anfragen führen – und welche nur nach Technik klingen.
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