Denk dir Folgendes: Eine Kundin fährt im Auto durch Eutin und sagt zu ihrem Smartphone: „Buch mir morgen einen Friseurtermin in der Nähe.“ Drei Sekunden später hat ihr Sprachassistent zwei Salons vorgeschlagen — deinen nicht. Nicht weil dein Salon schlecht wäre. Sondern weil deine Webseite für die Software, die da gerade gesucht hat, schlicht unlesbar war.
Das ist keine Science-Fiction mehr. Das passiert seit ungefähr einem Jahr immer öfter, und 2026 wird das Jahr, in dem es spürbar wird.
Was sich gerade verändert
Bisher war die Frage bei der eigenen Webseite immer: „Sieht sie für meine Kunden gut aus?“ Diese Frage gilt weiter. Aber es kommt eine zweite dazu: „Können Maschinen sie lesen?“
Mit Maschinen sind sogenannte KI-Agenten gemeint. Das sind Programme wie ChatGPT, Google Gemini oder die neuen Apple-Intelligence-Funktionen, die im Auftrag eines Menschen losziehen und eine Aufgabe erledigen. Termin buchen, Tisch reservieren, Öffnungszeiten heraussuchen, Preisliste vergleichen. Diese Programme klicken sich nicht durch deine Webseite wie ein Mensch. Sie lesen den unsichtbaren Code dahinter — und entscheiden anhand dessen, ob du als Empfehlung in Frage kommst.
Wenn dein Webdesigner damals sauber gearbeitet hat, ist das kein Problem. Wenn nicht, fällst du leise aus dem Spiel. Du merkst es nicht direkt — niemand sagt dir, warum eine Anfrage ausbleibt.
Der gute Nebeneffekt: Barrierefreiheit ist Pflicht
Es kommt noch ein zweiter Punkt dazu, der in dieselbe Richtung zieht: Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet viele Anbieter, ihre Webseiten barrierefrei zu gestalten — also auch für Menschen mit Sehbehinderung oder anderen Einschränkungen nutzbar.
Für reine Kleinst-Dienstleister (weniger als zehn Beschäftigte und unter zwei Millionen Euro Bilanzsumme) gibt es Ausnahmen. Aber: Was die Webseite für Menschen mit Behinderung lesbar macht, macht sie auch für KI-Agenten lesbar. Die Werkzeuge, die das prüfen, sind dieselben. Wer also die Barrierefreiheits-Hausaufgaben erledigt, hat die KI-Sichtbarkeit gleich mit erledigt.
Das ist die einzige gute Nachricht in dieser Geschichte: Du brauchst nicht zwei Baustellen aufzumachen. Eine reicht.
Der Schnell-Test in zwei Minuten
Du musst kein Programmierer sein, um zu prüfen, ob deine Webseite den Test besteht. Es gibt einen kostenlosen Dienst von Google, der das in zwei Minuten erledigt:
Adresse deiner Webseite eintragen, „Analysieren“ klicken, warten. Du bekommst zwei Reports — einen für Mobil und einen für Desktop. Wichtig sind nicht die Punktzahlen oben (die sind oft schlechter, als sie wirken). Wichtig sind die Bereiche Barrierefreiheit und Best Practices. Wenn dort gelbe oder rote Werte stehen, hat dein Webdesigner Hausaufgaben offen gelassen.
Geheimtipp: Prüfe nicht nur die Startseite. Prüfe die Seite, auf der Kunden tatsächlich landen, wenn sie buchen sollen. Bei Friseuren ist das die Termin-Seite, beim Restaurant die Reservierungsseite, beim Handwerker die Kontakt-Seite. Diese Seiten nennt man Conversion-Seiten — also Seiten, auf denen aus einem Besucher ein Kunde wird. Wenn die nicht sauber gebaut ist, nützt die schönste Startseite nichts.
Worauf du beim Ergebnis achten solltest
Du musst die Reports nicht im Detail verstehen. Vier Dinge reichen:
- Sind die Buttons als Buttons erkennbar? Wenn der Report unter Barrierefreiheit meldet „Buttons haben keinen erkennbaren Namen“ oder „Schaltflächen sind nicht beschriftet“, hat dein Designer mit bunten Kästchen statt richtigen Buttons gearbeitet. Maschinen sehen die nicht.
- Haben die Bilder Beschreibungen? Stichwort „Alt-Text“. Bilder ohne Beschreibung sind für blinde Nutzer und für KI-Agenten gleichermaßen unsichtbar. Bei Vorher-nachher-Bildern im Friseur-Salon bedeutet das: Die Maschine weiß nicht, was sie zeigt.
- Sind Formulare ordentlich beschriftet? Wenn dein Kontaktformular ein Eingabefeld hat, das nicht klar als „Name“ oder „Telefonnummer“ markiert ist, weiß weder ein Bildschirmleser noch eine KI, was hineingehört. Ein Agent, der für eine Kundin einen Termin anlegen soll, scheitert dann.
- Bewegt sich das Layout, sobald die Seite lädt? Wenn beim Aufruf erst alles wackelt, bevor sich Text und Bilder beruhigen, hast du das, was im Report „Cumulative Layout Shift“ heißt. Menschen ärgert das, Maschinen scheitern daran. Sie machen einen Schnappschuss zur falschen Sekunde und ziehen die falschen Schlüsse.
Wenn du es genauer wissen willst: Easy Checks vom W3C
Wer den PageSpeed-Test gemacht hat und tiefer einsteigen will, ohne gleich eine Agentur zu beauftragen: Das World Wide Web Consortium (W3C) — das ist die internationale Organisation, die die Standards für das Internet festlegt — hat eine kostenlose Anleitung, die bewusst für Laien geschrieben ist:
Easy Checks – A First Review of Web Accessibility
Die Anleitung ist auf Englisch, aber die Browser-Übersetzung in Chrome oder Edge funktioniert. Sie zeigt unter anderem, wie du die Überschriften-Struktur deiner Seite prüfst, ob deine Webseite per Tastatur bedienbar ist (das ist ein KI-Agenten-Test im Tarn-Modus) und ob der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund stimmt. Pro Prüfpunkt zehn Minuten — und du weißt mehr über deine eigene Webseite als die meisten Inhaber.
Was du jetzt konkret tun kannst
In dieser Reihenfolge:
- PageSpeed-Test machen für deine Startseite und für die Seite, auf der Kunden buchen oder Kontakt aufnehmen.
- Ergebnis ausdrucken oder als PDF speichern. Das ist deine Verhandlungsgrundlage.
- Webdesigner anschreiben: „Ich habe folgende Punkte im PageSpeed-Bericht. Was kostet es, die zu beheben?“ Mit Bericht in der Hand wird die Antwort konkreter als ohne.
- Wenn du keinen Webdesigner mehr erreichst (kommt häufiger vor, als man denkt — der Neffe ist nach Hamburg gezogen, die alte Agentur antwortet nicht mehr), ist das ein guter Zeitpunkt, das Thema neu aufzustellen.
Eine ehrliche Einschränkung
Ich bin Berater für lokale Online-Sichtbarkeit — Google-Profil, Bewertungen, Branchenverzeichnisse. Webseiten neu bauen ist nicht meine Hauptbaustelle. Aber: Wenn dein Google-Profil sauber ist, deine Webseite aber keinen KI-Agenten durchlässt, nützt dir das wenig. Beides muss zusammenpassen.
Für die Webseite gibt es lokale Webdesigner in Schleswig-Holstein, die das können. Wichtig ist, dass du mit konkreten Befunden zu denen gehst — nicht mit dem Bauchgefühl „irgendwas stimmt nicht“. Der PageSpeed-Bericht liefert dir genau diese Befunde.
Hinweis zum BFSG: Ich bin kein Anwalt. Ob deine konkrete Webseite unter die BFSG-Pflicht fällt, hängt von Beschäftigtenzahl, Bilanzsumme und der Art deines Angebots ab. Bei Unsicherheit lohnt sich eine kurze Rückfrage beim eigenen Steuerberater oder bei der Industrie- und Handelskammer.
Zeitaufwand
Den PageSpeed-Test machen: 10 Minuten pro Seite. Den Bericht verstehen: noch mal 10 Minuten. Mit dem Bericht in der Hand zum Webdesigner gehen: ein Telefonat, ein Termin. Wenn du das selbst nicht machen willst, sind das ungefähr drei Stunden Arbeit für den Profi — verteilt über zwei bis drei Wochen, weil zwischen Auftrag und Umsetzung bei guten Webdesignern Wartezeit liegt.
Wenn du dein Google-Profil schon eine Weile auf dem Schirm hast, aber bei der Webseite ratlos bist, schau ich mir beides gerne kostenlos an. Ich sage dir in einem Termin vor Ort ehrlich, ob deine Webseite für KI-Agenten lesbar ist — und wo dein Google-Profil zuerst ansetzen sollte. Kontakt aufnehmen
Quellen und weiterführende Links
- Google: PageSpeed Insights — Schnell-Test für Webseiten
- W3C / WAI: Easy Checks – A First Review of Web Accessibility — Anleitung für Laien
- W3C / WAI: Liste kostenloser und kostenpflichtiger Prüf-Werkzeuge — über 100 Werkzeuge, filterbar
- web.dev (Google Chrome-Team): Build agent-friendly websites — der Original-Beitrag, auf dem dieser Artikel beruht
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit: Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) — offizielle Informationen zum Geltungsbereich
Über den Autor
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittlere Betriebe ein, pflegt Bewertungen und sorgt dafür, dass die Online-Bausteine eines Betriebs zueinander passen. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er lokale Betriebe von innen und übersetzt technische Themen in das, was Inhaber wirklich brauchen.

