Wenn dein Friseursalon, dein Café oder deine Werkstatt bei Google im sogenannten Local Pack erscheinen soll — also in den drei Treffern mit Karte, die ganz oben kommen, sobald jemand „Friseur Eutin“ oder „Werkstatt Plön“ eingibt —, dann lohnt sich seit 2008 ein Blick in eine bestimmte Studie. Sie heißt Whitespark Local Search Ranking Factors. 47 anerkannte Fachleute aus aller Welt bewerten darin, was tatsächlich darüber entscheidet, ob du gefunden wirst. Im November 2025 ist die Ausgabe für 2026 erschienen.
Die Studie ist auf Englisch und sehr ausführlich. Damit du nicht 90 Seiten lesen musst, hier die Punkte, die für kleine Betriebe bei uns in SH wirklich zählen — und wo sich gegenüber den Vorjahren etwas verschoben hat.
Was die Studie tatsächlich misst
Die Fachleute bewerten Faktoren in Kategorien wie Google-Profil-Signale, Bewertungen, Verhaltenssignale, Verlinkungen, Verzeichnis-Einträge und seit dieser Ausgabe erstmals auch Sichtbarkeit in KI-Antworten. Aus diesen Bewertungen ergibt sich für jede Kategorie ein ungefähres Gewicht.
Eine Vorbemerkung zur Ehrlichkeit: Das sind Experten-Schätzungen. Google verrät nicht, wie sein Algorithmus genau gewichtet. Die Whitespark-Studie ist die beste verfügbare Annäherung, aber kein Naturgesetz. Die Richtungen stimmen — die exakten Prozentzahlen sind ein gerundetes Bild.
Punkt 1: Das Google-Profil bleibt der größte Hebel
Rund ein Drittel der Faktoren, die ins Local-Pack-Ranking einfließen, kommen direkt aus deinem Google-Unternehmensprofil. Das ist die mit Abstand wichtigste Stelle, an der du als Inhaber selbst etwas bewegen kannst. Die Nähe zum Suchenden ist zwar noch wichtiger — aber die kannst du nicht beeinflussen, dein Standort liegt nun mal, wo er liegt.
Was im Profil zählt: die Hauptkategorie (richtig gewählt), die Vollständigkeit (alle Felder ausgefüllt), die Aktualität (Öffnungszeiten, Fotos, Beiträge), und die Konsistenz mit dem Rest deines Online-Auftritts. Die Hauptkategorie ist dabei der einzelne Faktor mit dem größten Einzelgewicht. Ein Sanitärbetrieb, der „Heizungs- und Sanitärinstallation“ als Hauptkategorie hat, schlägt einen, der nur „Klempnerei“ eingetragen hat.
Punkt 2: Bewertungen werden weiter wichtiger — aber Frische schlägt Masse
Bewertungssignale machen 2026 etwa 16 bis 20 Prozent der Ranking-Faktoren aus. Das ist mehr als 2023, und der Trend zeigt nach oben.
Wichtig ist die Verschiebung: Es geht nicht nur um die Anzahl. Es geht um Frische, Antworten und Regelmäßigkeit. Drei neue Bewertungen pro Monat über zwölf Monate hinweg sind besser als 50 Bewertungen, alle aus 2022. Dazu kommt das Antwortverhalten — Betriebe, die auf 80 Prozent oder mehr ihrer Bewertungen reagieren, ranken messbar besser. Bei den meisten Inhabern, mit denen ich rede, liegt die Antwortquote bei null. Das ist heute kein neutrales „macht halt jeder so“ mehr. Das ist ein Nachteil.
Punkt 3: Verhaltenssignale gewinnen — Google misst, ob dein Profil lebt
Ein neuer Schwerpunkt der 2026er-Studie sind Verhaltenssignale. Damit ist gemeint: Wie viele Leute klicken auf dein Profil, rufen direkt von dort aus an, lassen sich den Weg beschreiben, schreiben dir? Werden Fotos hochgeladen — von dir und von Kunden? Reagierst du auf Bewertungen?
Übersetzt heißt das: Google bevorzugt Profile, die nach Aktivität aussehen. Ein Profil, das einmal eingerichtet und dann zwei Jahre nicht angefasst wurde, fällt zurück, auch wenn die Daten formal korrekt sind. Kunde der nicht angerufen hat, aber wenigstens auf „Wegbeschreibung“ geklickt hat, ist ein Signal, dass dein Eintrag relevant ist. Solche Signale sammeln sich an, wenn dein Profil aktuell und vollständig ist — also entstehen sie als Nebenprodukt sauberer Pflege, nicht durch Tricks.
Punkt 4: Deine Website kommt zurück ins Spiel — aber nicht so, wie viele denken
Die Studie zeigt einen leichten Wiederaufstieg von Faktoren, die deine eigene Website betreffen. Drei Punkte sind besonders wichtig:
Erstens: eigene Seiten für jede Dienstleistung und jeden Ort. Wenn du als Werkstatt drei Standorte hast oder als Handwerker in fünf Städten arbeitest, brauchst du dafür eigene Unterseiten. Eine generische „Unsere Standorte“-Seite zählt nicht. Das gilt auch im Kleinen — eine Friseurin in Eutin profitiert davon, wenn sie für „Hochzeitsfrisuren“ und „Herrenschnitt“ jeweils eine eigene kurze Seite hat statt einer Sammel-Leistungsseite.
Zweitens: interne Verlinkung. Deine Seiten müssen sich gegenseitig verlinken — nicht nur das Hauptmenü zählt. Eine Branchenseite, die zur passenden Stadt-Seite und zu einem thematisch passenden Blogbeitrag verlinkt, sendet andere Signale als eine Seite, die einsam herumsteht.
Drittens: lokal verankerter Inhalt. Texte, die so klingen, als könnten sie überall stehen, ranken schwächer. „Wir sind Ihr Friseur in Schleswig-Holstein“ ist austauschbar. „Wir schneiden seit 1998 in der Wassergasse in Eutin, und unser Aushänge-Plakat hängt drüben am Marktplatz“ ist es nicht.
Punkt 5: Verzeichniseinträge erleben ein Comeback — wegen der KI
Die größte Überraschung der 2026er-Studie: Klassische Verzeichnis-Einträge — also Yelp, Gelbe Seiten, Das Örtliche, branchenspezifische Portale — sind wieder wichtiger geworden. Nicht primär für das Local Pack auf Google, sondern dafür, ob KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini deinen Betrieb in ihren Antworten erwähnen.
Die KI-Systeme greifen auf eine breite Datenbasis zu. Wer in mehreren seriösen Quellen mit konsistenten Angaben (Name, Adresse, Telefonnummer) auftaucht, wird häufiger in Antworten zitiert. Wer nur in seinem eigenen Google-Profil existiert, fällt durch.
Das heißt nicht, dass du dich in 50 fragwürdigen Verzeichnissen eintragen sollst. Es heißt: die paar wirklich relevanten Portale ordentlich pflegen. Für SH sind das in der Regel die großen deutschen (Gelbe Seiten, Das Örtliche, 11880, je nach Branche Jameda, MyHammer, ProvenExpert, Apple Business Connect, Bing Places) plus regional gegebenenfalls Tourismusverbands-Verzeichnisse.
Was das alles für dich praktisch bedeutet
Wenn ich die fünf Punkte für einen typischen kleinen Betrieb in SH zusammenfasse, ergibt sich diese Reihenfolge:
Zuerst das Google-Profil ordentlich aufstellen — Hauptkategorie richtig, alle Felder voll, aktuelle Fotos, Öffnungszeiten gepflegt. Das ist die größte Wirkung pro Stunde Aufwand.
Dann ein System für Bewertungen — regelmäßig danach fragen, immer freundlich antworten. Drei Bewertungen pro Monat sind ein realistisches Ziel.
Dann die eigene Website auf Substanz prüfen — eine Seite pro echter Dienstleistung, eine Seite pro Ort, in dem du arbeitest, und alles untereinander verlinken.
Dann die wichtigsten Branchenverzeichnisse mit denselben Daten füttern wie das Google-Profil. Konsistenz schlägt Quantität.
Erst danach lohnt es sich, über fortgeschrittene Themen wie Schema.org-Markup oder gezielten Backlink-Aufbau nachzudenken. Diese Reihenfolge ist nicht originell — sie ist nur fast nirgendwo eingehalten.
Wenn das mehr ist, als du selbst angehen willst
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Mehr zum Autor: Thorsten Lutz
Thorsten Lutz ist Berater für lokale Online-Sichtbarkeit in Schleswig-Holstein. Er richtet Google-Unternehmensprofile für kleine und mittlere Betriebe in Ostholstein und im Kreis Plön ein, pflegt Bewertungs- und Verzeichniseinträge und sorgt für die laufende Betreuung. Mit 29 Jahren Außendienst-Erfahrung kennt er lokale Betriebe von innen — und weiß, welche Hebel bei begrenzter Zeit am meisten bringen.
Quellen und weiterführende Links
- Whitespark Local Search Ranking Factors 2026 — Originalstudie, herausgegeben im November 2025 von Darren Shaw und Whitespark Inc.: https://whitespark.ca/local-search-ranking-factors/
- Sieben überraschende Erkenntnisse aus der 2026er-Studie — Begleit-Artikel von Miriam Ellis bei Whitespark, gut für die Vertiefung einzelner Punkte: https://whitespark.ca/blog/7-local-search-ranking-factors-that-may-challenge-your-current-thinking/
- Zusammenfassung der 2026er-Ergebnisse für die Praxis — englischsprachige, aber leicht verdauliche Aufbereitung der Hauptzahlen mit Quellenverweisen: https://www.replyonthefly.com/blog/local-seo-ranking-factors

